Vatikan: Vorwürfe gegen polnischen Erzbischof Gadecki "haltlos"
Der Vatikan hat Vorwürfe gegen den Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, Posens Erzbischof Stanislaw Gadecki, zurückgewiesen. Beschuldigungen mutmaßlicher Versäumnisse bezüglich sexuellen Missbrauchs von Kindern durch zwei Priester hätten sich in einer gründlichen Untersuchung als "haltlos" herausgestellt, teilte die päpstliche Nuntiatur in Polen (Dienstag) mit. Die Beschwerden gegen den Erzbischof seien abgewiesen worden und das Verfahren beendet.
Der Vatikan prüfte die Vorwürfe demnach auf Grundlage des Kirchenrechts und des Papstschreibens "Vos estis lux mundi" ("Ihr seid das Licht der Welt") von 2019, in dem Franziskus die Aufsichts- und Rechenschaftspflicht von Bischöfen und Ordensoberen im Umgang mit Verdachtsfällen von Missbrauch genauer regelte. Es ging um Kindesmissbrauch durch je einen Priester des westpolnischen Erzbistums Poznan (Posen) und des Bistums Bielsko-Zywiec (Bielitz-Saybusch) im Süden des Landes. Der 71-jährige Gadecki steht seit 2014 den polnischen Bischöfen vor. Seit 2016 ist er Vizepräsident des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).
Ein Betroffener sexualisierter Gewalt fordert vom Bistum Bielsko-Zywiec aktuell ein Schmerzensgeld von umgerechnet etwa 670.000 Euro. "Meine Entschlossenheit, Gerechtigkeit zu suchen, ist total", sagte Janusz Szymik dem Sender Radio Zet (Dienstag). In den 80er Jahren habe ihn ein Priester mehrfach vergewaltigt. Der Ortsbischof habe davon gewusst, aber den Geistlichen trotzdem zum Prälaten befördert, statt ihn zu bestrafen. Er werde notfalls bis zum Obersten Gerichtshof in Warschau ziehen, so Szymik.
Der Vatikan hatte Ende Mai wegen Versäumnissen im Umgang mit Missbrauchsfällen Disziplinarstrafen gegen Bischof Tadeusz Rakoczy (83) verhängt, dessen Diözese von 1992 bis 2013 Bielsko-Zywiec war. Er darf seither weder an öffentlichen Gottesdiensten noch an Vollversammlungen der Bischofskonferenz teilnehmen. Zudem wurde Rakoczy zur Zahlung einer "angemessenen Summe" an die Sankt-Josef-Stiftung verpflichtet. Die von Polens Bischofskonferenz gegründete Stiftung fördert Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt und hilft Missbrauchsbetroffenen. (rom/KNA)
08.06.2021, 18.20 Uhr: ergänzt um die letzten beiden Absätze.