"Verkauft keine Waffen in die Region"
"Aber gleichzeitig ist es schmerzlich, dass man sich jetzt erst trifft, wo man sich viel früher hätte treffen können". Großmächte wie Amerika seien ja seit Beginn involviert. "Als erstes würde ich den westlichen Regierung zurufen: Verkauft keine Waffen in die Region. Lasst uns in Frieden", sagte Twal. Mit Blick auf die Folgen des sogenannten Arabischen Frühlings und den Forderungen nach Demokratie sagte er: "Natürlich wollen wir im Nahen Osten Demokratie". Aber das verlange Zeit und Bildung. "Man kann sie nicht mit Waffen und Revolution bringen. Wir haben das in Libyen und dem Irak gesehen."
Nach Einschätzung des Patriarchen tragen die Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran "große Verantwortung" für den Krieg in Syrien. Es seien viele Waffen von Saudi-Arabien nach Syrien geliefert worden. Er frage aber deshalb die USA und Frankreich: "Wenn ihr euch so um Menschenrechte kümmert, weshalb habt ihr damit in Syrien anfangen wollen? Warum habt ihr damit nicht in Saudi-Arabien begonnen?". Syrien sei ein Land mit Kultur, Bildung und einer guten Wirtschaft gewesen.
Mit Blick auf die russische Intervention in Syrien sagte Twal, Russland bekämpfe zumindest dschihadistische Gruppen. Zugleich könnte aber "niemand hier" verstehen, "warum die Supermacht Amerika so viel Zeit braucht, um Daesch und andere Gruppen zu bekämpfen". Er forderte von den Großmächten, die Völker selbst über ihre Präsidenten und Regierungen entscheiden zu lassen.
Twal warnt vor Absetzung des syrischen Staatschefs
Die Christen hätten unter dem Assad-Regime vor dem Bürgerkrieg als Minderheit unbehelligt leben und arbeiten können. Das Regime sei zugleich hart gegen islamische Fanatiker gewesen. Unter Verweis auf die Entwicklung in Libyen und dem Irak warnte er davor, den syrischen Staatschef Baschar al-Assad abzusetzen, ohne einen entsprechenden Nachfolger zu haben. "Wir haben mehr Angst vor dem danach als vor dem davor", so Twal.
Unterdessen hat das Internationale Rote Kreuz (IKRK) den Zugang der syrischen Bevölkerung zu humanitären Hilfen, unabhängig von dem Ausgang der Friedensgespräche in Genf gefordert. Es gäbe dutzende Städte in den Kriegsgebieten, die bisher noch keinerlei Hilfe erhalten hätten, beklagte das IKRK am Samstag.
Laut Rotem Kreuz leben rund 4,5 Millionen Menschen in diesen Gebieten. Die neu aufgenommenen Verhandlungen seien ein positives Signal. Die Kriegsparteien müssten jedoch die Angriffe vor allem auf die Infrastruktur, Gesundheitseinrichtungen und Wasserleitungen sofort stoppen, betonte das IKRK. Der politische Dialog sei wichtig, das Leben der Menschen habe jedoch Vorrang. (bod/KNA)