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Thomas Seiterich über die bevorstehende Familiensynode

Viele offene Fragen auf dem römischen Tisch

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Schachfigur
Bonn - Thomas Seiterich über die bevorstehende Familiensynode

Bringt die bevorstehende Familiensynode das römische Prinzip: "Viele Fragen – eine päpstliche Antwort" in die Krise? Es ist zu vermuten.

Wie extrem vielgestaltig die Probleme von Ehe und Familie in den vielen soziokulturellen Räumen der Erde sind, in denen die katholische Kirche lebt, wird den Verantwortlichen der Synode erstaunlich spät klar. Auch Papst Franziskus dürfte dies unterschätzt haben. Die Berichte über die Probleme von Ehe und Familie aus über 170 Ländern wuchten Berge von offenen Fragen auf den römischen Tisch.

Was soll die Kirche vermitteln in Regionen, wo Ehe nicht freiwillig ist, sondern von den Alten arrangiert wird? Was ist mit Ehe und Familie  bei den Millionen Katholiken aus Asien, die  in den reichen Ölstaaten Arabiens schuften müssen und nur per Telefon oder Skype mit ihren Kindern und Partnern zu Hause verbunden sind? Was ist mit den unzähligen Menschen in der Dritten Welt, die zu arm sind, um zu heiraten? Und wie soll die Kirche mit den Menschen umgehen, die homosexuelle Ebenbilder Gottes sind? Die Liste der in Rom vorliegenden Probleme lässt sich lange fortführen.

Angesichts der Vielfalt an Fragen aus aller Welt erscheint die Not der wiederverheirateten Geschiedenen, die zu Recht die Gemüter bei uns erregt, als ein sehr wichtiges Problem, jedoch als eines unter vielen.

Vor der Synode wird Papst Franziskus von Konservativen wie Reformern bearbeitet. Erstere wollen, alles solle bleiben wie es war. Reformer dagegen hoffen, dass der Papst am Ende der Synode die problematische Ehe-Lehre öffnet und reformiert, ja dass er durchgreift.

Papst Franziskus will irreversible, breite Prozesse der Erneuerung. Autoritäre Reformen von oben sucht er zu vermeiden, um jeden Preis. "Barmherzigkeit", eines seiner Lieblingsworte, könnte zum Titel werden, wenn er – wie bei einem erdbebensicheren Haus – elastische Puffer einbaut: klare Anweisungen, wie die tradierte Lehre für die Menschen von heute ausgelegt werden soll.

Zur Person

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift "Publik-Forum".

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