Suche
Grund für Aussagen im Dokumentarfilm "Francesco"?

Warum der Papst einen homosexuellen Familienvater gleich dreimal anrief

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Papst Franziskus im Portrait
Rom - Mit seinen Äußerungen über homosexuelle Partnerschaften im Film "Francesco" hat der Papst weltweit für Diskussionen gesorgt. Im Film geht es auch um Andrea Rubera. Dieser schrieb einen Brief an den Papst – nahm dessen Anrufe aber erst nicht an.

Dreimal musste er Andrea Rubera anrufen, bevor der Familienvater den Anruf entgegennahm. "Hier spricht Papst Franziskus. Ich habe schon zweimal versucht, Sie zu erreichen", soll der Pontifex Medienberichten zufolge gesagt haben. Wegen der anonymen Nummer habe er es zunächst klingeln lassen, sagt Rubera. "Als er dann sprach, hatte ich jedoch keine Zweifel, dass er es war."

Gemeinsam mit seinem Partner Dario De Gregorio hat Rubera drei Kinder, ausgetragen durch Leihmutterschaft in Kanada. Rubera möchte sie gerne katholisch erziehen, doch die Kirche, die ihm so am Herzen liegt, lehnt seine Lebensweise ab. Das habe ihn vor "ein pastorales und persönliches Problem" gestellt, sagt der 54-Jährige, der auch Sprecher von "Cammini di speranza", einer christlichen LGBT-Bewegung ist.

Antwort vom Papst lässt nicht lange auf sich warten

In seiner Verzweiflung schreibt Rubera dem Papst einen Brief. "Ich bat ihn um Hilfe und erklärte, dass die Kirche mir so viel gegeben habe und ich wollte, dass meine Kinder die gleiche Chance haben", erzählte der Römer dem "Corriere della Sera". "Aber ich fragte mich, welchen Preis sie zahlen müssten, wenn sie zwei Väter hätten: Ich hatte Angst, sie einem Trauma auszusetzen." Nach einer Morgenmesse in der päpstlichen Residenz übergibt Rubera, der in Rom lebt, demnach das Schreiben.

Franziskus für Lebenspartnerschaft: Ein neues Kapitel in der Kirche?

Mit seiner Äußerung, die Kirche müsse sich auf zivilrechtlicher Ebene für die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle einsetzen, hat Papst Franziskus für ein Beben gesorgt. Auch wenn sie keiner Lehränderung gleichkommen: Folgenlos dürften diese Aussagen kaum bleiben.

Zum Artikel

Eine Antwort des Papstes lässt demnach nicht lange auf sich warten: Bereits zwei Tage später soll der Pontifex ihn angerufen haben – und kam direkt auf den Punkt: "Ich habe ihren Brief gelesen und wollte verstehen, wo das Problem liegt. Wurden sie in einer Gemeinde nicht akzeptiert?", habe Franziskus gefragt. Er habe es nicht einmal versucht, weil die Angst vor Ablehnung zu groß war, berichtet Rubera ihm. "Er hat mich nach dem Grund für diese Angst gefragt."

Das Kirchenoberhaupt ermunterte ihn, zum Pfarrer zu gehen und sich vorzustellen. Er hatte eigentlich einen abstrakten Segen des Papstes erwartet und stattdessen seinen pastoralen Ansatz erlebt, wie er versucht habe, zum Wohl der Kinder eine Lösung zu finden. "Sie werden sehen, dass Sie Akzeptanz finden werden und es gut gehen wird", habe der Papst noch hinzugefügt. Und so sei es dann auch gekommen. Die Kinder wurden in einer Gemeinde im Norden Roms aufgenommen, das älteste Kind hat sich mittlerweile den Pfadfindern angeschlossen. "Es hat nie irgendwelche Schwierigkeiten gegeben" sagt Rubera.

Bereits 2015 fand das Telefonat zwischen dem katholischen Kirchenoberhaupt und dem homosexuellen Manager und Familienvater aus Rom statt, jetzt sprach Rubera darüber in den Medien. Die Geschichte wird auch im Dokumentarfilm "Francesco" erzählt, der kürzlich Premiere hatte. "Sie sind Kinder Gottes und haben das Recht auf eine Familie. Niemand sollte wegen so etwas ausgeschlossen oder unglücklich werden", kommentierte Papst Franziskus im Film.  "Wir müssen ein Gesetz zur eingetragenen Lebenspartnerschaft aufsetzen. Auf diese Weise sind sie rechtlich abgesichert. Dafür habe ich mich eingesetzt."

Diese Aussagen des Papstes haben in den vergangenen Tagen international für ein innerkirchliches Beben gesorgt und wurden breit diskutiert. So kritisierte der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der frühere Chef der Glaubenskongregation, Franziskus habe mit seinen unbedachten Äußerungen "große Verwirrung" gestiftet. "Er sollte vorsichtiger sein", so Müllers Ratschlag. Auf Twitter schrieb der US-Jesuit James Martin, der Kommentar des Papstes sei vielleicht in den USA oder in Westeuropa kein großes Thema. "Aber in Orten wie Polen, wo einige Bischöfe virulent gegen LGBT sind; oder in Uganda, wo Bischöfe auf der Seite der Gesetze stehen, die Homosexualität unter Strafe stellen, ist das eine große Sache." Der Vatikan äußerte sich bisher nicht zu den Aussagen des Pontifex.

Rubera interpretiert die Geste des Papstes eher nüchtern: Der Papst habe ihn und seinen Partner ermuntert, ihre drei Kinder ohne Angst vor Diskriminierung in den Gottesdienst zu schicken. "Er hat mir aber nie gesagt, was er von meiner Familie hält. Wahrscheinlich hält er sich hier an die Lehre der Kirche", so der Italiener. Es sei vielmehr die Einstellung, die vieles anders mache.

kna-katholisch-swarm-node3 (0.016s)