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Mehr als 100 Gottesdienstbesucher sollen Boko Haram am Sonntag zum Opfer gefallen sein

Wieder Anschläge auf Christen

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Chibok/Bonn - Die Terrororganisationen Boko Haram hat zu Beginn des Fastenmonats Ramadan Angst und Schrecken verbreitet. Sie soll am Wochenende mehr als 100 Menschen in Nigeria getötet haben. Die Attacken richteten sich vor allem gegen christliche Kirchgänger. Warum die Terrorakte zu Beginn des Fastenmonats verübt wurde, kann man sich auch bei der Christlich-islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO) in Frankfurt nicht erklären.

"Mit dem islamischen Glauben hat das nichts zu tun", sagt CIBEDO-Geschäftsführer Timo Güzelmansur katholisch.de. Religiös gesehen gebe es keinen Anlass für diese Anschläge. "Im Gegenteil, in den Anfängen des Islam sind Kämpfe gestoppt worden, wenn der Fastenmonat angebrochen ist", erklärt er. Eigentlich sei der Ramadan dazu da, "sich auf die guten Werte zu besinnen". Extremisten würden sich jedoch nicht immer an religiöse Gebote halten.

Am Sonntag waren zunächst fünf Kirchen im Ort Kwada nahe der Stadt Chibok im Nordosten Nigerias Ziel von Attacken geworden, wie die Zeitung "Daily Post" berichtete. Augenzeugen zufolge kamen mehr als 100 Menschen ums Leben. Den Sicherheitskräften zufolge wurden bislang 30 Leichen geborgen. Die Islamisten töteten vor allem Christen, die auf dem Weg in die Kirchen waren. Danach hätten die Terroristen im Nachbarort Kautikari ebenfalls zahlreiche Zivilisten attackiert und Gebäude in Brand gesetzt.

"Der Koran kennt viele friedliche Verse, aber eben auch jene, die von Gewalt handeln"

"Boko Haram will jeden Einfluss des Westen verhindern und ein System nach eigenen Vorstellungen errichten", erklärt Güzelmansur. Die Religion sei nur ein Hilfsmittel, um extremistische Ideologien durchzusetzen. "Der Koran kennt viele friedliche Verse, aber eben auch jene, die von Gewalt handeln", erklärt der Diplom-Theologe mit türkischen Wurzeln. Jeder Gläubige müsse diese Stellen richtig deuten. "Es ist eine Frage der Hermeneutik."

Güzelmansur glaubt jedoch, dass Nigeria den Extremismus nicht ohne Hilfe von außen bewältigen kann. "Das Militär ist machtlos. Und irgendwann wird man die Hilfe von Europa und den USA annehmen", vermutet er. Wichtig sei jedoch, dass diese Hilfe über militärische Eingriffe hinausgehe. "In Nigeria wird eine Zivilgesellschaft gebraucht, die auch Bildungsangebote macht." Nur so könnten sich die Menschen selbst ein reflektiertes Urteil über ihren Glauben bilden, so der Theologe. Außerdem seien noch mehr öffentliche, islamische Stimmen wichtig, die die Taten von Boko Haram als Extremismus verurteilten.

Oliver Dashe Doeme, Bischof der Diözese Maiduguri im Nordosten Nigerias, ist von den erneuten Anschlägen nicht überrascht, da Boko Haram den westlichen Lebensstil vor allem auch mit christlichen Kirchen verbinde. Doch obwohl die Menschen traumatisiert seien und in Angst lebten, seien die Messen voll, erklärt Dashe Doeme am Montag im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur. "Sie wollen sich treffen, gemeinsam beten und die Frohe Botschaft hören." Das ermutige sie in dieser schwierigen Lage und gebe ihnen Hoffnung. "Ich halte die Menschen hier für sehr stark."

Deutsche Bischöfe hatten bereits Anfang Mai Stellung bezogen

Dem Terror der Islamisten von Boko Haram sind seit 2009 mehrere tausend Menschen zum Opfer gefallen. Die Gruppe will im islamischen Norden des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas einen Gottesstaat errichten. In den vergangenen Monaten haben die Terroristen fast täglich Anschläge verübt. Im April entführten die Extremisten mehr als 200 meist christliche Schulmädchen in Borno. Bis heute fehlt von den meisten Mädchen jede Spur.

Bereits Anfang Mai hatte auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) Stellung zu den Terrorakten in Nigeria bezogen. In einem Brief an den Vorsitzenden der Nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama, schrieb der DBK-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx: "Die Anschläge auf die Busbahnhöfe von Abuja und Nyanya, die zahlreichen brutalen Attacken im Bundesstaat Borno und insbesondere die Verschleppung von mehr als 200 Schülerinnen aus Chibok erfüllen mich mit Trauer und Empörung." (mit Material von dpa und KNA)

Von Björn Odendahl

Gebet für die entführten Mädchen

Justitia et Pax und Caritas Nigeria haben ein gemeinsames Gebet für die entführten Mädchen in Chibok gerausgegeben: Allmächtiger Vater, alle guten Gaben kommen von Dir. Das Geschenk, Kinder zu haben, ist unschätzbar viel wert.Du hast uns Deinen Sohn gesandt. Er ist für uns gestorben und hat uns Dein Gesetz der Liebe gelehrt.Wir kommen vor Dich, o Gott, wir wissen um unsere Schwächen und Fehler, doch wir sind voll Hoffnung, dass Du uns hören und uns antworten wirst.Die Gier nach Macht und Herrschaft hat uns in diese schreckliche Situation gebracht, in der Nigeria heute ist.Wir legen das Leben der entführten Schülerinnen in Chibok in Deine Hände und beten um ihre sichere Rückkehr.Schütze die Kinder vor allen Gefahren, mache ihre Eltern stark, die zu Dir schauen voll Hoffnung auf ein gutes Ende.

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