Wiener Dompfarrer Toni Faber wird digitaler Trauerredner
Der Wiener Dompfarrer Toni Faber (64) steht ab 2027 als digitaler Trauerredner zur Verfügung. Der KI-generierte "Fabertar" soll im Erscheinungsbild des Dompfarrers und mit dessen Stimme Trauerreden halten, wie die österreichische Nachrichtenagentur Kathpress berichtet. Ein Grazer Unternehmen habe am Dienstag eine neue KI-basierte Plattform vorgestellt. Darüber könnten Menschen persönliche Abschiedsbotschaften bereits zu Lebzeiten vorbereiten, um sie bei ihrer Trauerfeier digital wiedergeben zu lassen, hieß es.
Alternativ könnten auch digitale Trauerredner gebucht werden, die bei einer Trauerfeier in Form eines Avatars sprechen. Unter ihnen ist Faber. Er sagte: "Ich kann nicht alle Begräbnisse dieser Welt halten, garantiert nicht." Er wolle als digitaler Trauerredner zur Verfügung stehen, wo es etwa keinen Seelsorger oder Redner gibt, so Faber. Die Technologie des Avatars könne zudem helfen, persönliche Wünsche festzuhalten und Angehörige in einer belastenden Situation zu entlasten. Seinen priesterlichen Kollegen wolle er damit aber "in keinster Weise Konkurrenz machen", betonte Faber. Der Geistliche geht Ende August 2027 nach fast drei Jahrzehnten als Wiener Dompfarrer in Pension.
"Fabertar" in mehreren Sprachen
Der "Fabertar" soll Reden in mehreren Sprachen halten können. Zum Start sind Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch geplant. Laut Faber gibt es jedoch auch inhaltliche Grenzen einer Trauerrede des digitalen Zwillings. So seien Wünsche, die Menschen oder Religion abwerteten, ausgeschlossen: "Jede einzelne Predigt wird persönlich geprüft." Der Avatar werde zudem als KI-generiert gekennzeichnet. Der Dompfarrer sieht keinen Widerspruch zur Kritik von Papst Leo XIV. an Künstlicher Intelligenz und zu dessen Enzyklika "Magnifica humanitas". Es gehe nicht um eine gegen Menschen gerichtete Verwendung der Technologie, sondern darum, die Würde eines Menschen zu bewahren.
Die Betreiber grenzen das Angebot zudem von sogenannten Deepfakes ab. So sollen nach dem Tod keine neuen Aussagen im Namen Verstorbener erzeugt werden; vorgesehen seien nur zu Lebzeiten vorbereitete und freigegebene Inhalte. Nutzer sollen zudem Vertrauenspersonen bestimmen und festlegen können, wer auf welche Botschaften zugreifen darf. Das Unternehmen plant den internationalen Marktstart für das erste Quartal 2027. Allein im deutschsprachigen Raum sieht es ein Potenzial von 1,4 Millionen Sterbefällen pro Jahr. Vertrieben werden sollen die digitalen Produkte über Bestatter, Versicherungen und Medienpartner.