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Im Rosenkranzmonat Oktober

"Der Rosenkranz hat mich durch Glaubenskrisen getragen"

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Ein Kind hält einen Rosenkranz in der Hand.
Düren / Würzburg - Der Rosenkranz ist ein Gebet für alte Menschen? Zwei Ehrenamtliche möchten das ändern – mit ganz unterschiedlichen Initiativen.

Zunächst müssen Begriffe geklärt werden. Denn mit Ausdrücken wie "Gnade" oder der "Frucht deines Leibes" können Kinder wenig anfangen. Und mit "gebenedeit" erst recht nichts. Geduldig erklärt Gerd Funk den Kindern, die sich im Licht der bunten Glasfenster in die kleine Marienkapelle drängen, wie man die unbekannten Wörter heute verstehen kann. Ein paar Eltern sitzen in der angrenzenden Werktagskapelle und lauschen ebenfalls. Der Rosenkranz wird in der Kirche Sankt Peter im Dürener Ortsteil Merken – zwischen Aachen und Köln gelegen – jeden Mittwoch gebetet. So niedrig wie an diesem Nachmittag ist der Altersschnitt aber sonst nie. 

Im Rosenkranzmonat Oktober lädt Funk Kinder und ihre Familien zum gemeinsamen Familienrosenkranz ein. Der 74-Jährige möchte die traditionelle Gebetsform auch den Kleinen der Gemeinde und ihren Eltern nahebringen. An einer Tafel erklärt er, wie der Rosenkranz funktioniert: die wiederkehrende Folge von "Gegrüßet seist du Maria” und Vaterunser; der Aufbau des "Ave Maria" mit "Gruß", "Geheimnis" und "Bitte". Für jedes Geheimnis – also den wechselnden Satz aus dem Leben Jesu, der in das "Ave Maria" integriert wird – liegt eine rote Rose bereit. Die Kinder können eine Kerze für ihre eigenen Bitten anzünden. Und damit sich auch wirklich niemand verzählt, teilt Funk den Kindern Fingerrosenkränze aus. 

Die Bedeutung der Geheimnisse

Funk selbst kennt den Rosenkranz schon aus seiner Kindheit. "Ich bin sehr katholisch sozialisiert aufgewachsen. Als Messdiener war ich regelmäßig in Rosenkranzandachten”, erzählt der pensionierte Lehrer vor dem Gebet. Damals sei das eine Verpflichtung gewesen: "Das war eine ganz andere Zeit in den 1960er Jahren. Da gab es keine Erklärung, das war gesetzte Teilhabe", erinnert sich Funk. Heute schätzt er das meditative Gebet: "Ich bete selbst eher den festen Rosenkranz als persönlich formulierte Bitten. Durch die Geheimnisse werden die Lebensphasen Jesu in die Gedanken übernommen und verinnerlicht", sagt er.  

Eine Gruppe Kinder sitzt in einer Kapelle.
Gerd Funk erklärt Kindern in Merken den Rosenkranz.

Auch Daniel Seitz aus dem unterfränkischen Kitzingen sind die Geheimnisse des Rosenkranzes wichtig. "Ich betrachte die Geheimnisse zweifach: einmal als Leben und Leiden Jesu, einmal als Ausdruck der Anliegen der Menschen", sagt der junge Mann. Früher habe er den Rosenkranz "mechanisch" gebetet und manches Mal als "lästiges Gebet" wahrgenommen. Als ihn der Rosenkranz durch Glaubenskrisen und Sinnfragen trug, habe er einen emotionalen Zugang dazu bekommen.  

Im Oktober setzt sich Daniel Seitz, der inzwischen im Allgäu lebt, daher jeden Mittwochabend an seinen Schreibtisch und schaltet den Computer an. Auf dem Bildschirm erscheinen die verschiedenfarbigen Kacheln einer Videokonferenz. Hinter ihm grüßt ein Kruzifix von der Wand. Denn Daniel Seitz lädt im Oktober einmal die Woche zum Online-Rosenkranz für Jugendliche und junge Erwachsene ein. Ein wechselnder Priester betet vor, ein Freiwilliger aus der Gruppe betet nach. Die anderen können ohne Mikrofon mitbeten oder einfach nur lauschen. 

Den "Ruf Gottes" zu diesem Format, wie Seitz es formuliert, habe er vernommen, als er bemerkte, dass in seinem Heimatbistum Würzburg flächendeckende Angebote für junge Katholikinnen und Katholiken fehlen. Viele seien allein in ihren Pfarreien, der nächste gleichaltrige Gläubige lebe oft einige Kilometer entfernt. Mit dem Online-Rosenkranz wolle er die Jugendlichen und jungen Erwachsenen vernetzen. "Manche der Teilnehmer sind erfahrene Rosenkranzbeter, andere nicht", sagt Seitz. Aber die Erfahrung sei auch nicht von Bedeutung. "Wir wollen keine fromme Gebetsgruppe sein, die nach innen wirkt, sondern auch Menschen ansprechen, die den Rosenkranz sonst nicht beten", sagt Seitz. Das Projekt, das in diesem Jahr erstmals stattfindet, findet Anklang. Wöchentlich schalten sich zwischen fünfzehn bis zwanzig junge Menschen zu. Auch die Würzburger Bistumsleitung ist darauf aufmerksam geworden. Am letzten Mittwoch im Oktober betet Weihbischof Paul Reder mit, auch Bischof Franz Jung hat schon Interesse bekundet. Deshalb möchte Seitz auch nach dem Oktober regelmäßig online den Rosenkranz beten. 

Zwei Generationen erreichen

Bei den Kindern in Merken erwartet Gerd Funk nicht, dass sie sich nach dem Familienrosenkranz zu Hause zum meditativen Gebet hinsetzen werden, und das sei auch gar nicht sein Ziel. Er wolle, dass die Kinder das Ave Maria kennen und die Idee des meditativen Gebets verstanden haben. "Den kleinen Fingerrosenkranz können sie mit nach Hause nehmen. Vielleicht ist er ein Impuls, einmal eine eigene Bitte zu formulieren", sagt Funk nach dem gemeinsamen Gebet, als die Kinder aus der Kirche gestürmt sind und ausgelassen über den gepflasterten Vorplatz rennen. Nach immerhin 23 Ave Maria und fünf Vaterunser ist der Bewegungsdrang groß. Außerdem würde er durch den Familienrosenkranz ja auch die Eltern der Kinder erreichen, die ebenfalls zu einer Generation gehörten, die nicht mehr jeden Sonntag in den Gottesdienst komme – und zum werktäglichen Rosenkranz erst recht nicht. "Hoffentlich konnten auch sie heute etwas mitnehmen", sagt Funk.  

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