Suche
Vatikan-Finanzaufsicht AiF stellt Bilanz für 2016 vor

207 Hinweise auf verdächtige Finanzaktivitäten

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Vatikanstadt - Waren es im Jahr zuvor noch 544 Verdachtsfälle, bekam die vatikanische Finanzaufsicht 2016 deutlich weniger Hinweise auf suspekte Transaktionen. Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht.

Die vatikanische Finanzaufsicht AIF hat im vergangenen Jahr vier auffällige Finanzoperationen im Volumen von insgesamt 2,1 Millionen Euro befristet ausgesetzt. Eine Transaktion im Wert von über 1,5 Millionen Euro wurde blockiert. Das geht aus dem Bericht für 2016 hervor, den das AIF am Dienstag im Vatikan vorstellte. Demnach wurden die Anzeigen von Verdachtsfällen gegenüber dem Vorjahr weniger, aber stichhaltiger. Die Zahl von Meldungen aus Vatikanbehörden selbst nahm zu.

Effektives Alarmsystem

AIF-Präsident Rene Brülhart wertete die Halbierung der Verdachtsfälle als Zeichen für eine "Konsolidierung des Meldesystems". Auch der Direktor der Behörde, Tommaso Di Ruzza, sagte, die Entwicklung zeige, dass das Alarmsystem funktioniere und effektiv sei.

Für die Bemühungen des Heiligen Stuhls um mehr Transparenz im Finanzwesen verwies Brülhart auf gute Noten vom europäischen Anti-Geldwäsche-Komitee Moneyval. Es habe Fortschritte gegeben, so der Schweizer Experte für Finanzkriminalität. Von zentraler Bedeutung sei auch der internationale Informationsaustausch.

Linktipp: Debatte um Kirchenfinanzen

Spätestens seit dem Skandal um den Bau am Limburger Domberg sind Kirchenfinanzen ein häufiges Thema. Mit einer Transparenzoffensive haben die Bistümer auf die Kritik reagiert. Lesen Sie hier die wichtigsten Informationen zur Debatte.

Zur Themenseite
Der aus der Schweiz stammende Anti-Geldwäsche-Fachmann Rene Brülhart leitet seit November 2012 die vatikanische Finanzaufsicht AIF.

Mittlerweile unterhält die vatikanische Finanzaufsicht institutionelle Beziehungen zu Partnerbehörden in sechs Ländern, darunter Deutschland, Luxemburg und den USA. Drei der Abkommen wurden 2016 neu geschlossen: mit Brasilien, Italien und Polen. Daneben vereinbarte die AIF mit fünf weiteren nationalen Behörden einen bilateralen Informationsaustausch, darunter Österreich, Panama und Russland. Aktuell bestehen solche Vereinbarungen mit 32 Staaten.

Laut dem Jahresbericht gingen bei der AIF 2016 insgesamt 207 Hinweise auf verdächtige Finanzaktivitäten ein. Davon leitete die Behörde 22 Berichte - nicht notwendig unterschiedliche Fälle - an die Staatsanwaltschaft weiter. Dabei ging es um den Verdacht auf Betrug, Steuerhinterziehung, Veruntreuung und Korruption. Im Vorjahr gab es hingegen 544 Meldungen an die AIF und davon ausgehend 17 Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft. Von Kurienbehörden kamen 2016 acht Hinweise; 2015 waren es sechs, 2014 vier.

Aus den Verdachtsmeldungen lasse sich eine "wachsende Komplexität möglicher Geldwäscheverfahren" ablesen. Das verlange nach eingehenderen Analysen und Kooperation mit ausländischen Partnern, heißt es in dem Bericht. Brülhart verwies bei der Vorstellung darauf, die Aufsichtsbehörde und ihre rechtlichen Grundlagen seien noch "relativ jung". Nötig sei unter anderem eine bessere Ausstattung mit IT-Ressourcen und qualifizierten Mitarbeitern.

9,6 Millionen Euro in bar kamen in den Vatikan

Bei Bargeldtransporten aus dem oder in den Vatikanstaat sei eine "zunehmende Verminderung und Stabilisierung" zu verzeichnen, heißt es in dem Bericht. Demnach wurden im vergangenen Jahr 380 größere Barbeträge im Umfang von insgesamt 9,6 Millionen Euro eingeführt. Die Zahl der erklärten Ausfuhren betrug 1.357, deren Volumen knapp 24 Millionen Euro. (KNA)

kna-katholisch-swarm-node1 (0.013s)