3.000 Kunden mussten gehen
Das lässt ermessen, wie tief der noch laufende Reformprozess in das Geschäftsgebaren der einst skandalumwitterten Bank eingegriffen hat, mit dem der scheidende Direktor des IOR, Ernst von Freyberg, den Einbruch begründete.
Gehälter für viele Experten
Neben der Abwicklung unprofitabler Altlasten verwies er in einem Interview vor allem auf die Gehälter der vielen Experten, die an der Umstrukturierung des IOR arbeiten. Deren wichtigste Aufgabe in den vergangenen anderthalb Jahren: die gründliche Durchforstung des Kundenstamms. Denn der hatte immer wieder für Spekulationen über Geldwäsche und andere zwielichtige Geschäfte gesorgt, die mit dem Charakter einer kirchlichen Bank so viel zu tun haben wie Chemieabfälle mit einem Erdbeerfeld. Solcher Verdacht hatte die Reformen schließlich ausgelöst.
Laut der Jahresbilanz hat das IOR sich inzwischen von rund 3.000 Kunden getrennt, die meisten davon Karteileichen ohne größere Kontobewegungen; doch 400 mussten gehen, weil sie nicht in die Zielgruppe passten. Diese besteht vor allem aus Ordensgemeinschaften sowie Angestellten und Pensionären des Vatikan, Bischofskonferenzen, Bistümern, Klöstern und den beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten. 359 Kunden werden noch überprüft.
Außerdem blockierte die Bank 2.100 Konten, bei denen es an den erforderlichen Hintergrunddaten mangelt. Derzeit führt das IOR knapp 15.500 Konten, auf denen ein Vermögen von rund 6 Milliarden Euro lagert.
Strengere Regeln gegen Geldwäsche
Das Wichtigste sei, dass die Bank nun wisse, wer ihre Kunden seien, bilanzierte von Freyberg. Nun sei "Phase 1" des Umbaus geschafft. Neben der Überprüfung sämtlicher Konten zählten dazu die Schaffung von mehr Transparenz, etwa durch die Jahresbilanzen, strengere Regeln gegen Geldwäsche, die Verschlankung der inneren Abläufe und die Unterrichtung von Vatikanbehörden.
Medienberichten zufolge wird offenbar auch daran gearbeitet, das Investment-Geschäft abzugeben. Das Finanzinstitut legte bisher hauptsächlich in festverzinslichen Wertpapieren, Staatsanleihen und Termingeschäften mit anderen Banken an.
Den Großteil seiner Erträge führt es jährlich an den Heiligen Stuhl ab - zuletzt waren es 54 Millionen Euro. Glaubt man den Berichten, könnte das IOR in ein Institut verwandelt werden, das vor allem Zahlungsdienste für die katholische Kirche erledigt. Das fiele in "Phase 2", die Integrierung des IOR in die von Papst Franziskus geschaffenen neuen ökonomischen Strukturen des Vatikan, deren Zentrum das neu gebildete Wirtschaftssekretariat und ein Wirtschaftsrat bilden.
Als Chefsanierer bewährt
Wo immer der Weg hinführt - von Freyberg wird ihn nach 17 Monaten im Amt nicht mehr gestalten. Am Dienstag gab der Vatikan auch die Auswechslung der gesamten Führungsspitze des IOR bekannt, obwohl sich der 55-jährige Deutsche offenbar als Chefsanierer bewährt hat. Über mögliche Differenzen kann nur spekuliert werden; die Gründe für den Wechsel können auch ganz einfacher Natur sein. Die Aufgabenbeschreibung der Stelle habe sich geändert und stimme nicht mehr mit dem ursprünglichen Profil überein, war im Vorfeld zu hören. Künftig soll der Posten als Vollzeitstelle ausgeübt werden; Freyberg hingegen nahm in Deutschland stets auch andere Aufgaben wahr.
Als Nachfolger vermuten Beobachter den Franzosen Jean-Baptiste de Franssu. Der Finanzberater soll über gute Beziehungen zum Leiter des Wirtschaftsrats, Kardinal George Pell, verfügen. Als neuer Wirtschaftsminister dürfte Pell künftig den Kurs des IOR in letzter Instanz vor dem Papst entscheiden. Nach den hohen Kosten durch den Reformprozess steht die Bank 2014 wirtschaftlich jedenfalls hervorragend da. Allein im ersten Halbjahr wies sie bei einem Eigenkapital von 775 Millionen Euro wieder einen Reingewinn von mehr als 57 Millionen aus.
Von Christoph Schmidt (KNA)