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Überraschendes Lob des Papstes für römische Mitarbeiter

"An der Kurie gibt es Heilige"

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Vatikanstadt - Papst Franziskus hat seinen traditionellen Weihnachtsempfang im Vatikan zu einem überraschenden Vertrauensbeweis für die römische Kurie genutzt. In einer sehr persönlichen Rede dankte er seinen römischen Mitarbeitern für ihren tagtäglichen Einsatz, für ihre Sorgfalt und Fleiß, für Kreativität und Kooperation. "An der römischen Kurie gab und gibt es wirklich Heilige", sagte er vor den versammelten Kardinälen, Bischöfen und höheren Prälaten der vatikanischen Leitungs- und Verwaltungsstäbe.

Es war eine demonstrative Rückenstärkung für die Institution, die im Vorkonklave nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. deutliche Kritik abbekommen hatte. Die nach Pannen und Unstimmigkeiten der vergangenen Jahre reformiert werden muss. Die Franziskus in einem eher fragwürdigen Interview mit "La Repubblica" als Ansammlung von Höflingen bezeichnet und deren Mentalität er als "Lepra des Papsttums" gebrandmarkt haben soll.

Freilich stellt Franziskus auch klar, wie er sich die Kurie vorstellt: Dass Professionalität, eine Dienst-Mentalität und "Heiligkeit des Lebens" Voraussetzung für die Mitarbeit an der Nahtstelle zwischen Weltkirche und Ortskirchen seien. Denn wenn Professionalität fehle, rutsche man langsam in den Bereich der Mittelmäßigkeit ab; die Akten würden dann zu "klischeehaften Informationen und zu Mitteilungen ohne eine lebendige Kraft". Wenn der Dienstcharakter zu kurz komme, drohe die Kurie wie ein schwerfälliges Zollamt zu werden, eine "bürokratische Untersuchungs- und Kontrolleinrichtung", in der kein Platz für das Wirken des Heiligen Geistes bleibe.

Unsitte von Klatsch und Tratsch an der Kurie

Deutliche Worte fand der Papst schließlich - und nicht zum ersten Mal - für die Unsitte von Klatsch und Tratsch an der Kurie. "Der Tratsch verdirbt die Menschen, beeinträchtigt die Arbeitsqualität und schadet dem Betriebsklima". Gefordert sei von den Kurienmitarbeitern eine "Verweigerung aus Gewissensgründen gegenüber dem Tratsch".

Teile der römischen Kurie.
Teile der römischen Kurie.

Einmal mehr hat Papst Franziskus mit einem eingespielten Brauch Schluss gemacht. Johannes Paul II. legte beim Weihnachtsempfang für die Kurie regelmäßig eine Art kirchlicher Jahreschronik vor. Benedikt XVI. nutzte den Anlass zudem zu ausgefeilten Grundsatzreden über zentrale kirchliche Fragen, etwa zur Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils und zur Kontinuität von vorkonzilianer und nachkonziliarer Kirche. Franziskus beschränkte sich darauf, seine Mitarbeiter zu motivieren und einige Eckpfeiler für die Arbeit der Kurie zu markieren, auch wenn das Projekt Kurienreform mit keinem Wort genannt wurde.

Vergebens warteten die Chefs der Kurienbehörden auf ein erstes Resümee des Pontifikats, einen einordnenden und klärenden Rückblick auf die neun Monate seit dem Amtsantritt des ersten lateinamerikanischen Papstes. Franziskus äußerte sich nicht zu den vielen Initiativen und Projekten, die er auf den Weg gebracht hat. Er sprach nicht von den Reformen, die er zu Vatikanfinanzen und -verwaltung, zu Bischofssynode und Familienpastoral, zu Kollegialität und Synodalität der Kirchenleitung eingeleitet hat. Er ging nicht auf Bemühungen um die Ökumene, um das Verhältnis zum Judentum, um den interreligiösen Dialog ein.

Selbst soziale Fragen blieben außen vor

Franziskus sprach auch nicht über diplomatische Friedensbemühungen in Krisenzonen wie Syrien oder Südsudan. Selbst soziale Fragen, der Einsatz für Arme und Ausgegrenzte, blieben außen vor. Freilich betonte er an die Adresse der Kurienmitarbeiter, dass zu ihren Dienst immer auch die konkrete Seelsorge und das missionarische Zugehen auf Mitmenschen hinzugehöre.

Das Fehlen programmatischer Elemente könnte seinen Grund darin haben, dass Franziskus sich erst vor wenigen Wochen ausführlich über Kurs und Schwerpunkte seines Pontifikats in dem Lehrschreiben "Evangelii gaudium" geäußert hatte. Und zu den verschiedenen Projekten und Reforminitiativen dürfte er sich ausführlich im kommenden Februar äußern, wenn er nacheinander den Kardinalsrat für die Kurienreform (K8-Rat), das gesamte Kardinalskollegium zum Konsistorium und anschließend der Rat der Bischofssynode in den Vatikan kommen.

Bereits in den ersten Januartagen empfängt Franziskus das beim Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Corps zum Austausch der Neujahrswünsche. Dabei ist ein Ausblick des Papstes und der vatikanischen Diplomatie auf die Lage der Welt und ihre Problemfragen beinahe zwingend.

Von Johannes Schidelko (KNA)

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