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Gudrun Sailer über die Reform von Papst Franziskus

Beherztes Stutzwerk an der Kurie

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Schachfigur
Bonn - Gudrun Sailer über die Reform von Papst Franziskus

Wieder eine Premiere mit Franziskus. Noch nie hat ein Papst eine Abteilung eines seiner Ministerien geleitet. Bald ist es soweit: Franziskus hat gerade ein neues Amt der Weltkirche für "die ganzheitliche Entwicklung des Menschen" gegründet, eine Super-Behörde für soziale und menschenrechtliche Fragen wie Krieg, Abrüstung, Folter, Todesstrafe, Menschenhandel, Krankheit, Armut, Nothilfe und Umwelt. Bei alledem geht es um Menschen an den Rändern der Existenz, um "Weggeworfene", wie der Papst sie nennt. Um die Belange der aus seiner Sicht Allerärmsten kümmert er sich persönlich. Die Abteilung für Flucht und Migration der neuen Behörde untersteht bis auf weiteres dem Papst.

Zweierlei ist bemerkenswert an der Errichtung der neuen Behörde, und beides hängt mit der Figur von Papst Franziskus zusammen: der Stellenwert der Flüchtlingsfrage und die Unerschrockenheit, mit der er die Kurienreform vorantreibt. Mit beidem löst er Visionen seines Pontifikats ein. Er wolle "eine arme Kirche für die Armen", sagte er im März 2013, und als Verwaltungszentrale wünsche er einen Vatikan, der dient, nicht herrscht. Bei Worten beließ es Franziskus nie. Seine erste Reise führte ihn auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa, und von Lesbos nahm er mehrere Flüchtlingsfamilien im Papstflieger mit nach Rom. Dass er die Agenda Migration an seinem neuen Ministerium nun persönlich schultert, ist da fast schon folgerichtig.

Vier päpstliche Räte verschluckt die Super-Behörde zum Jahreswechsel. Ähnlich lief es mit der neuen Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben, die gestern an den Start ging, sowie mit der Medienreform. Monsignori und Bischöfe der Führungsebene verlieren ihre Jobs im Vatikan, darunter zwei langgediente Kardinäle, für die Franziskus vorerst keine neue Verwendung fand. Nebenbei ließ er in den Statuten der neuen Behörden festschreiben, dass das Leitungsteam bis hinauf zur "Nummer zwei" nicht unbedingt aus Priestern bestehen muss.

Franziskus nimmt internen Ärger in Kauf für sein beherztes Stutzwerk am Gewebe einer Kurie, die seit den 80er Jahren irgendwie dauernd wuchs. Und er will ein moralischer Stachel im Fleisch der Mächtigen bleiben, wenn er sich – reisend, redend und regierend – Migranten zur Seite stellt. Wahrlich, Franziskus ist kein Papst, der Angst hätte, Spuren zu hinterlassen.

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