Bücher-Boom
Mehrere Verlage wetteifern um den schnellsten, umfassendsten oder am besten bebilderten Rückblick auf das Pontifikat des deutschen Papstes.
Von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen, erscheint beispielsweise in wenigen Tagen der 190-seitige Bildband "Danke Benedikt!" Der Pattloch-Verlag will bis Mitte März Alexander Kisslers Bilanz "Papst im Widerspruch - Papst Benedikt XVI. und seine Kirche 2005-2013" veröffentlichen. Darin versucht der Publizist auf rund 300 Seiten eine erste Bilanz der vergangenen acht Jahre. Einer seiner Befunde lautet: Mit dem ersten Rücktritt eines Papstes in der Neuzeit habe Benedikt XVI. dem Papsttum die "monarchische Spitze" gekappt.
FAZ-Sammelband
Schon jetzt als E-Book verfügbar ist eine von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zusammengestellte Sammlung, die FAZ- und FAS-Zeitungsartikel der vergangenen acht Jahre bündelt. Ergänzt wird das digitale Buch mit einer umfassenden Chronik. Den Blick stärker nach vorn richtet der ebenfalls für Mitte März angekündigte Sammelband "Du bist Petrus - Anforderungen und Erwartungen an den neuen Papst", der im Styria-Verlag erscheint. Theologen wie Jan-Heiner Tück, Paul Zulehner und Rabbiner Walter Homolka formulieren hier Wünsche und Hoffnungen an den kommenden Papst. Auch Stimmen aus Orthodoxie und aus dem Islam sind vertreten.
Stärker innerkatholisch geprägt ist der Blick des Sammelbands "Benedikt XVI. - Demut und Bescheidenheit", der unter anderem Beiträge von Abtprimas Notker Wolf und vom langjährigen Radio Vatikan-Chef Eberhard von Gemmingen enthält.
Jesus-Biographie wieder in den Top 10
Deutlich angestiegen ist in den vergangenen Tagen zugleich das Interesse an den Büchern, die Benedikt XVI. selbst als Papst und Wissenschaftler verfasste. Sein jüngster Band zur Kindheit Jesu etwa kletterte wieder unter die Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste. Am großen wissenschaftlichen Editionsprojekt der "Gesammelten Werke" Joseph Ratzingers änderte der Papstrücktritt indes nichts. Das Projekt geht wie geplant weiter, heißt es beim Herder-Verlag. 8 von geplanten 16 Bänden sind bislang erschienen.
Ob Joseph Ratzinger künftig auch als emeritierter Papst weiter zum Bleistift greifen wird und vielleicht sogar weiter in seinem deutschen Hausverlag Herder veröffentlichen wird, bleibt Spekulation. Die von ihm bereits begonnene vierte Enzyklika (zum Thema Glauben) konnte er nicht mehr abschließen.
Produktiv wie kein Papst zuvor
Dennoch war Benedikt XVI. ein so produktiver Autor wie wohl kein Papst zuvor. Eine Stichwortsuche im Verzeichnis lieferbarer Bücher nach Papst Benedikt führt zu insgesamt 347, nach Joseph Ratzinger zu 137 Treffern.
Spezielle Publikationsformate jedenfalls wird es künftig kaum noch geben: Den seit mehreren Jahren erscheinenden Abreißkalender mit täglichen Botschaften von Benedikt XVI./Joseph Ratzinger beispielsweise. Und auch die Herder-Monatspublikation "Gemeinsam glauben", die jeweils aktuelle Texte des Papstes zusammenstellte, dürfte ohne einen deutschen Papst geringe Zukunftschancen haben.
Von Volker Hasenauer (KNA)