Business as usual
Das Ende eines Pontifikats, das nicht durch den Tod des Papstes endet, ist für den Vatikan ein völliges Novum. Und so versuchen seit der sensationellen Rückzugsankündigung von Benedikt XVI. am Montag Juristen und Protokollexperten zu klären, welche Regularien beim erklärten Amtsverzicht auf den Petrusdienst beachtet und geplant werden müssen. Das beginnt mit der Frage, was konkret mit dem Fischerring des Papstes oder mit seinem Siegel geschieht: wann sie von wem in welcher Form zu vernichten sind, um deutlich zu machen, dass das Pontifikat beendet ist. "Man befindet sich in einer völlig neuen, ungewohnten Situation", musste Lombardi immer wieder auf die Nachfragen der Journalisten antworten.
Das gilt auch für den künftigen Titel, den Benedikt XVI. führen wird, wenn er auf sein Amt als Bischof von Rom, als Nachfolger des Apostels Petrus verzichtet. Er werde nicht in den Rang eines Kardinals zurückgestuft, betonte Lombardi. Aber ob er dann als "zurückgetretener Papst" oder "emeritierter Bischof von Rom" zu bezeichnen ist - in den nächsten Wochen muss noch Vieles geklärt werden.
Audienzen und Exerzitien
Sicher ist, dass es für Benedikt XVI. bis zum 28. Februar business (fast) as usual geben wird. Er empfängt Staatoberhäupter in Audienz, er setzt in vielen Einzelgesprächen die seit Wochen laufenden "Ad limina"-Besuche der italienischen Bischöfe fort. Er führt am Tag nach Aschermittwoch das traditionelle Gespräch mit dem Klerus seiner Diözese Rom. Und er geht nach dem ersten Fastensonntag für eine Woche zusammen mit der Kurie in Fastenexerzitien.
Zudem gibt es noch mehrere Gelegenheiten für die Gläubigen, Benedikt XVI. zu begegnen. An jedem kommenden Februar-Sonntag begrüßt er die Pilger auf dem Petersplatz zum gemeinsamen Mittagsgebet. Am 13. sowie am 27. Februar findet die übliche Generalaudienz statt. Letzerer Termin ist nach bisherigem Stand die letzte öffentliche Veranstaltung mit dem Papst Benedikt XVI. Mit Blick auf zu erwartende höhere Teilnehmerzahlen soll sie nicht in der Audienzhalle, sondern auf dem Petersplatz stattfinden.
Das gilt ähnlich auch für die heutigen Zeremonien zum Aschermittwoch, der wohl letzten großen liturgischen Feier des Papstes mit den Kardinälen, Bischöfen und mit den Gläubigen von Rom. Statt auf dem Aventin erfolgen Aschenweihe und Austeilung des Aschenkreuzes am Nachmittag im Petersdom. Die Basilika Santa Sabina nahe dem touristischen Schlüssellochblick wäre für diese Feier viel zu klein, betonte Lombardi.
Letzte Ernennungen unklar
Ob und welche Ernennungen der Papst in den kommenden Wochen noch vornimmt, ist vollkommen unklar. Sowohl die Katholiken in Erfurt wie die in Passau warten auf einen neuen Oberhirten. Seine Enzyklika über den Glauben wird sicher nicht mehr erscheinen. Und eher unwahrscheinlich ist, dass der neue Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller (65), in diesem Pontifikat noch den Kardinalspurpur erhält. Er dürfte wohl nicht mit ins Konklave einziehen - zumal die Deutschen mit sechs Wählern dort mehr Teilnehmer zählen als etwa die großen Ortskirchen von Brasilien oder Mexiko.
Nach seinem Rücktritt wird Benedikt XVI. mittelfristig in das "Mater Ecclesiae"-Kloster im Vatikan seine Residenz finden. Die letzte Ordensgemeinschaft, die dort ein Leben in Gebet und Klausur führte, war im November ausgezogen. Seither wird das Gebäude renoviert. Wann Benedikt XVI. von seinem Zwischenaufenthalt mit seinen Büchern und Akten in das Klostergebäude im Schatten des Johannes-Turms umziehen kann, ist noch unklar.
Das gilt auch für die Form, wie genau das Pontifikat zu Ende geht: Ob es etwa eine Abschlusszeremonie in kleinerem oder größerem Kreis geben wird, darüber kursieren bislang nur Spekulationen. Sicher aber ist, dass Benedikt XVI. keinen Einfluss mehr auf das künftige Konklave nehmen wird - außer, so Lombardi, durch die Kraft des Gebetes.
Von Johannes Schidelko (KNA)
Dossier: Der Papst sagt Servus