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Wenig konkrete Termine im dritten Jahr der Pandemie

Das Jahr 2022 aus vatikanischer Sicht

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Der Petersdom und der Petersplatz im Vatikan.
Vatikanstadt - Der vatikanische Kalender für 2022 hat noch viele Fragezeichen. Das dritte Jahr der Corona-Pandemie erschwert die Planungen. Bisher stehen keine Reisen fest – Themen und Herausforderungen aber sehr wohl.

Wer wissen will, an welchen Großereignissen der Papst 2022 teilnimmt, dem dritten Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie, müsste zur Kaffeesatzleserei greifen. Wie schon zu Beginn des vergangenen Jahres bietet der Kalender des Heiligen Stuhls wenig Orientierung. Gesetzt sind die Gottesdienste zu den hohen Feiertagen: Ostern, Pfingsten und Weihnachten. In welcher Form Franziskus und der Vatikan sie feiern, ist hingegen noch unklar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zumindest im Sommer wieder große Messen mit Zehntausenden auf dem Petersplatz gibt, ist immerhin größer als noch 2021. Wenn noch nicht zu Ostern, dann zu Pfingsten. Anfang Juni sind die Temperaturen in Rom hoch genug, um das Virus zusätzlich einzudämmen. Im weitläufigen Petersdom nahmen zuletzt schon gut 2.500 Menschen an den großen Messen teil. In Italien sind rund 75 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft, aktuell haben mehr als 25 Prozent schon die dritte Dosis erhalten.

Noch keine konkreten Anhaltspunkte im vatikanischen Terminkalender

Der vatikanische Terminkalender gibt indes noch keine konkreten Anhaltspunkte. Offiziell bekanntgegeben waren vor dem Jahreswechsel für 2022 nur Papstmessen am 1. Januar, zum Hochfest der Gottesmutter Maria, zu Dreikönig sowie eine Messe mit Kindertaufe in der Sixtinischen Kapelle am 9. Januar, dem Fest der Taufe Jesu. Die sonst routinemäßig eingetragenen Termine der Generalaudienzen am Mittwoch sowie des Angelus am Sonntag zeigt die Präfektur des Päpstlichen Hauses noch gar nicht an.

Immerhin hat Franziskus für das neue Jahr, das neunte seines Pontifikats, noch weit fliegende Reisepläne. Vom Kongo, von Papua-Neuguines, Osttimor und Ozeanien sprach er Ende Oktober in einem Interview. Auch Ungarn wolle er noch einmal richtig besuchen. Bestätigt ist davon aber offiziell noch nichts. Nur weil das Kirchenoberhaupt irgendwo hinfliegen möchte und auch schon Planungen laufen, bedeutet dies nicht, dass eine solche Reise tatsächlich zustande kommt.

Kardinäle und Geistliche beim Konsistorium am 28. November 2020 im Petersdom im Vatikan.
Die Zahl der vorgesehenen Papstwähler ist inzwischen auf die Sollzahl von 120 gesunken.

Irgendwann zu Beginn des neuen Jahres wird der Papst neue Kardinäle ernennen. Die Zahl der vorgesehenen Papstwähler ist inzwischen auf die Sollzahl von 120 gesunken. Franziskus und das Synodensekretariat werden weiter für die Weltsynode werben, dafür, den Menschen in und außerhalb der Kirche genau zuzuhören. Nur so, davon ist Franziskus überzeugt, lässt sich erkennen, welche Probleme, Ideen und Visionen die Menschen tatsächlich bewegen – und was davon dem Willen Gottes entspricht.

Sollte der Pontifex noch vor Ende dieses Jahres die lang erwartete Konstitution veröffentlichen, mit der er seine Kurienreform zusammenfasst, müsste das Kirchenvolk nicht auch 2022 darauf warten. Aber wie er selbst schon sagte: Die meisten Reformen sind bereits durchgeführt. "Praedicate evangelium", so der Titel der Konstitution, wird sie nur noch zusammenfassend schriftlich fixieren.

Kommen 2022 wieder mehr Touristen nach Rom?

Neu wird wahrscheinlich nur ein ausführliches Vorwort zur Synodalität in der Zentrale der Weltkirche sein. Außerdem die Zusammenlegung der Bildungskongregation mit dem Kulturrat sowie der Missionskongregation "Propaganda Fide" mit dem Rat zur Neuevangelisierung – also Glaubensverkündigung in säkularen Gesellschaften.

Auch wenn aktuell die Delta- und Omikron-Varianten des Covid-19-Virus noch Sorge bereiten und einige Länder wieder in Teil-Lockdowns gehen, ist doch damit zu rechnen, dass 2022 für die Reise- und Tourismusbranche ein besseres Jahr wird. Wie groß der Nachholbedarf bei vielen Menschen ist, ließ sich im Frühherbst in Rom beobachten. Die Stadt war fast so voll wie in Vor-Covid-Zeiten.

Kardinal Giovanni Angelo Becciu steht im Zentrum der Finanzaffäre im vatikanischen Staatssekretariat.

Mit den Touristen kamen auch die ersten Bischofskonferenzen wieder zu ihren Ad-limina-Besuchen an die Kurie. Den Anfang machten die Franzosen – Polen, Tschechen und Schweizer folgten. Österreichs Bischöfe mit ihrem Konferenzvorsitzenden Franz Lackner sagten ab, vor allem wegen des Lockdowns im eigenen Land. Sie hoffen auf Anfang 2022. Für die deutschen Bischöfe gibt es noch keine entsprechenden Planungen.

Mit Spannung wird der Fortgang des Strafprozesses wegen der Finanzaffäre im vatikanischen Staatssekretariat verfolgt. Noch ist unklar, ob der Vorsitzende Richter, Giuseppe Pignatone, die Hauptverhandlung überhaupt eröffnet. Bislang wartet die Verteidigung noch auf die vollständige Herausgabe des Beweismaterials durch den Strafverfolger Alessandro Diddi. Der machte bisher keine gute Figur.

Die finanzielle Zukunft der katholischen Weltzentrale sieht eher düster aus

Ob die genauen Zusammenhänge rund um die Finanzaffäre je ans Licht kommen, ist insgesamt fraglich. Es geht dabei auch um Abhöraktionen an der Kurie, mutmaßlich initiiert vom damaligen zweiten Mann im Staatssekretariat, Kardinal Giovanni Angelo Becciu. Der verlor darüber seinen zwischenzeitlichen Posten als Heiligsprechungspräfekt. Er streitet beharrlich jedwedes Fehlverhalten ab und kämpft um seinen Ruf.

Auch die Rolle von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Beccius Nachfolger Edgar Pena Parra sowie des Kronzeugen Alberto Perlasca harren einer endgültigen Klärung. Sie sitzen bisher nicht auf der Anklagebank. Aber auch abgesehen vom missglückten Immobiliendeal der vatikanischen Zentralbehörde sieht die finanzielle Zukunft der katholischen Weltzentrale eher düster aus.

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