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Gabriele Höfling über Heiligsprechungsverfahren

Der Heilige - wer?

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Schachfigur
Bonn - Gabriele Höfling über Heiligsprechungsverfahren

Wenn Franziskus am Wochenende nach Fatima reist, dann spricht er – passend zum 100-jährigen Jubiläum – zwei der Seherkinder von Fatima heilig. Ein großes Ereignis. Aber mal ehrlich: Ist das überhaupt noch etwas ganz Besonderes? Ich verliere langsam den Überblick ob all der Heiligen, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hinzukamen.

Schon Franziskus' Vorvorgänger Johannes Paul II. hielt ja mit 482 Heiligsprechungen einen Rekord  - in den vier Jahrhunderten davor hatte es nur etwa halb so viele gegeben. Und Franziskus setzte dann noch einmal ganz neue Maßstäbe, als er an einem einzigen Tag den italienischen Märtyrer Antonio Primaldo und seine 800 Gefährten zur Ehre der Altäre erhob. Mit der Politik der inflationären Heiligsprechungen tut sich die katholische Kirche aber möglicherweise keinen Gefallen. Wenn es binnen kürzester Zeit so viele Neue gibt, wie soll es dann noch möglich sein, des einzelnen Heiligen angemessen zu gedenken? Schließlich hat das Jahr nur 365 Tage, der Heiligenkalender platzt jetzt schon aus allen Nähten. Wie wird das erst sein, wenn die Kirche einmal 3.000 Jahre alt ist? Gibt es dann vielleicht Zehntausende oder gar Hunderttausende Heilige?

Eigentlich wurde das extrem komplizierte Verfahren, in dessen Verlauf unter anderem Wunder nachgewiesen werden müssen, doch gerade eingeführt, um die Heiligsprechungen zu entschleunigen und zu objektivieren. Doch inzwischen scheint es die Kirche mit ihren eigenen Regeln nicht mehr so genau zu nehmen: Bei Papst Johannes Paul II. und Jaques Hamel begann das Seligsprechungsverfahren als Voraussetzung für die Heiligsprechung schon kurze Zeit nach dem Tod – üblich waren über Jahrhunderte viel längere Fristen. Natürlich ist die Absicht hinter einem solchen Vorgehen nachvollziehbar – trotzdem wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, den Umgang mit Heiligsprechungen zu überdenken. Sonst verliert das Wort "heilig" vielleicht eines Tages an Bedeutung.

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