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Papst Franziskus positionierte sich zum Falkland-Krieg. Oder auch nicht

Der Litfaßsäulenheilige

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Papst Franziskus schmunzelt, im Hintergrund die Firguren auf den Kolonnaden.
Bonn - In der Vatikan-Kolumne "Franz & Friends" geht es in dieser Woche um ein Foto, auf dem der Papst ein Plakat zum Konflikt um die Falklandinseln in der Hand hält. Es sorgte vor allem in Argentinien für großen Wirbel - und das nicht ganz zu Unrecht.

Ist Papst Franziskus ein Freund oder ein Gegner des Kapitalismus? Donald Trump, US-Multimilliardär und verblüffend aussichtsreicher Präsidentschaftsanwärter der Republikaner, hat schon viele Kapitalisten gesehen. Er meint, Franziskus sei ein "netter Kerl". Andere sehen in Franziskus den Heilsbringer einer neuen Weltordnung.

"Diese Wirtschaft tötet." Sätze wie dieser prädestinieren den Argentinier, der die Staatspleite seines Landes und all ihre Verwerfungen als Erzbischof von Buenos Aires miterlebte, zum Bannerträger der Systemkritiker. Franziskus dient als Projektionsfläche für Veränderung und Gestaltungswillen. Seine Äußerungen werden gehört. So viel zu den Chancen.

Markige Worten für das linke Spektrum

Die Risiken deuteten sich bei seiner Südamerika-Reise im Juli an. Der Argentinier besuchte die Armenhäuser an den Rändern: Ecuador, Bolivien, Paraguay. Bei einem Treffen "sozialer Bewegungen" in Bolivien bediente er mit markigen Worten das linke Spektrum. Mehr Aufmerksamkeit bekam aber seine Einlassung, Chile möge in einen Dialog über einen Meereszugang Boliviens eintreten – den das arme Nachbarland 1879–1884 im selbst angezettelten Salpeterkrieg verloren hatte. Empörung in Chile – Jubel in Bolivien.

Von solcherart Aufmerksamkeit wohl ermutigt, landete nun der Argentinier Gustavo Hoyos einen Scoop: Bei der Generalaudienz drückte er Franziskus ein Schild in die Hand, auf dem zu lesen stand: "Zeit für einen Dialog zwischen Argentinien und Großbritannien über die Falklandinseln". Die Deutung der Szene ist schillernd. Hoyos selbst erklärt, der Papst habe mehrfach auf das Plakat gesehen und sei sich der Botschaft sehr bewusst gewesen. Nationale Medien sekundieren, als Kardinal habe Bergoglio das Archipel mehrfach als "argentinischen Boden" und "Heimatland" bezeichnet.

Naives Beharren

Abgeordnete der Opposition beklagen dagegen, Franziskus sei schon wieder "in eine Falle getappt". Der Vatikan selbst erklärt, der Papst habe gar nicht gemerkt, dass er mit dem Schild fotografiert worden sei. Solch naives Beharren kann Gustavo Hoyos egal sein. Er wirbt in den sozialen Netzwerken massiv für seine Kampagne zur "Umsetzung der UNO-Resolution 2065. Danke, Franziskus!". Argentinien jubelt. Großbritannien protestiert.

Ernst Amandus Litfaß wäre im nächsten Jahr 200 Jahre alt geworden. Der Berliner Verleger und Erfinder der gleichnamigen Säulen hätte Franziskus einiges über die Wirkung von Werbung sagen können. Kaiser Franz verzichtete irgendwann darauf, Tütensuppen in einem Spot zu löffeln. Wann verzichtet Papst Franz darauf, sich Suppen einzubrocken?

Christ & Welt

Diesen Text der Kolumne "Franz & Friends" publiziert katholisch.de mit freundlicher Genehmigung von "Christ & Welt", einer Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit". "Christ & Welt" - das sind sechs Seiten, die sich auf Glaube, Geist und Gesellschaft konzentrieren, sechs Seiten mit Debatten, Reportagen und Interviews aus der Welt der Religionen. "Christ & Welt" ist im Jahr 2010 aus der traditionsreichen Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" hervorgegangen.

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