Der Papst kann kommen
Wie die Nachrichtenagentur Yonhap meldete, wurden im Juli 56 Prozent mehr Rosenkränze geordert als im gleichen Monat 2013. Der Absatz von Büchern über den argentinischen Papst verdoppelte sich sogar im Juli gegenüber dem Vorjahreszeitraum, teilte der Online-Versandhändler "11 Street" mit. Auch wollen die Menschen Franziskus offenbar ganz genau beobachten: Ferngläser und Kleinstative für Smartphone-Kameras wurden häufiger verlangt; die Nachfrage erhöhte sich um 80 beziehungsweise 400 Prozent.
Auf den großen Bannern in der Hauptstadt lächelt der Papst. Und neben seinem Brustkreuz ist auch das Logo des Ereignisses zu sehen, das der Anlass für den bis Montag dauernden Besuch in Fernost ist: der VI. Asiatische Jugendtag. Ein stilisiertes Schiff soll die Kirche des Landes darstellen; das Segel ist zwei ineinander verdrehten Flammen nachempfunden und soll das geteilte Korea symbolisieren. Die harmonische Gleichförmigkeit der Flammen soll den Wunsch nach Frieden und Einheit bekunden.
Zu dem Jugendtag in der Diözese Daejeon werden 6.000 Teilnehmer erwartet. Am Samstag spricht der Papst in Seoul 124 Märtyrer selig, die Anfang des 19. Jahrhunderts getötet worden waren. Am Montag ist eine große Messe für Frieden und Versöhnung in dem seit 1948 geteilten Land vorgesehen. Mit Spannung wartet man auf Aussagen des Papstes zur aktuellen Situation der koreanischen Halbinsel. Die Kirche Südkoreas hat in den vergangenen 60 Jahren einen beispiellosen Aufschwung erlebt; ihr gehören heute rund elf Prozent der Bevölkerung an.
Kardinal hofft auf Frieden
Auch der Erzbischof von Seoul, Kardinal Andrew Yeom Soo-jung, sagt in einer Video-Botschaft, dass der Papst Frieden und Versöhnung zwischen dem Norden und Süden der Halbinsel wolle. Er hoffe, dass der Besuch Franziskus beiden Ländern Harmonie und Frieden bescheren werde, so Yeom.
Franziskus startet am Mittwochnachmittag zu dem knapp 9.000 Kilometer weiten Flug nach Seoul. Erstmals wird er dabei auch chinesischen Luftraum durchfliegen. Beim letzten Besuch eines Papstes 1989 hatte Peking der Maschine von Johannes Paul II. den Überflug verweigert. Franziskus will bei seiner dritten Auslandsreise außer Seoul vier weitere Orte in Südkorea besuchen. Geplant sind vier große Gottesdienste und zehn Ansprachen des Papstes. Katholiken aus Nordkorea können dazu nicht anreisen. Offizielle Stellen in Pjöngjang lehnten in der vergangenen Woche eine Einladung der südkoreanischen Kirche ab.
Die katholische Kirche besteht in Korea erst seit 230 Jahren und ist insofern besonders, weil das Christentum nicht mit ausländischen Missionaren begann: Es kam durch Laien ins Land, die in Peking mit Christen in Kontakt gekommen waren - erst 1794 betrat der erste ausländische Priester Korea. Die katholischen Laien spielen bis heute eine wichtige Rolle im Leben der südkoreanischen Kirche.
Von ihnen findet sich auf der Homepage zum Papstbesuch auch das offizielle Lied zu der Reise (siehe Video oben): Bekannte Musiker und Schauspieler des Landes singen unter dem altgriechischen Titel "Koinonia" über Gemeinschaft, Harmonie und "Frieden in diesem Land". (luk/KNA)