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Kritik auch an Papst Leo XIV.

Deutscher Botschafter wirft Vatikan fehlenden Realismus vor

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Rom - Bruno Kahl wirft dem Vatikan mangelnde Ausgewogenheit vor. Die Kirche müsse Europas Bemühungen um Abschreckung und Selbstverteidigung stärker unterstützen.

Der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Bruno Kahl, wirft dem Vatikan im Zusammenhang mit Fragen von Krieg und Frieden fehlenden Realismus vor. "Solange der Mensch als Sünder auf dieser Welt lebt, muss er mit Krieg rechnen. Das ist eine Wahrheit, die sich im Konzilsdokument 'Gaudium et Spes' noch ganz selbstverständlich wiederfindet und die auch im Katechismus der Katholischen Kirche verankert ist. Aber in den letzten Verlautbarungen fehlt dieser realistische Blick", sagt Kahl in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Zeitschrift "Christ in der Gegenwart".

Neue Akzente lassen Ausgewogenheit vermissen

Zwar setze sich Papst Leo XIV. zurecht an die Spitze derer, die Frieden wollten. "Aber es kommt darauf an, dass es erstens ein gerechter Frieden ist und zweitens, dass er mit tauglichen Mitteln hergestellt wird", so Kahl weiter. Nach seinem Verständnis sei die katholische Soziallehre hier vollständiger und ausgewogener, während manche der neuen Akzente eine solche Ausgewogenheit leider etwas vermissen ließen.

Mit Blick auf die Bemühungen der Europäer, sich mittels Aufrüstung vor der Aggression aus Russland zu schützen, beklagt Kahl in dem Interview eine fehlende Unterstützung durch den Papst. In Leos Enzyklika "Magnifica humanitas" gebe es nur einen knappen Halbsatz, der Staaten zugestehe, dass sie ein legitimes Recht auf Selbstverteidigung hätten. Stattdessen werde in Dokumenten des Heiligen Stuhls oft nur einseitig die Gefahr von Waffen und eine Ungerechtigkeit von Rüstung betont. "Der Papst hat natürlich recht, wenn er sagt, dass Abschreckung alleine nicht reicht. Aber umgekehrt muss man auch sagen, ohne Abschreckung ergibt sich nicht etwa der Frieden von selbst, sondern auch eine Einladung zur Aggression", so Kahl wörtlich.

"Im Zentrum der Weltkirche gut aufgehoben"

Man müsse Vorkehrungen treffen, damit die eigenen Bürger nicht schutzlos seien. Gleichzeitig müsse man mit Diplomatie versuchen, Interessengegensätze auszugleichen und Sicherheitsanliegen zu berücksichtigen. "Deswegen sollten diese Bemühungen der Europäer, Russland von vornherein davon abzuhalten, sich nach Westen auszudehnen, auch aus der Kirche mehr unterstützt und weniger kritisiert werden", sagt Kahl. Manche Formulierung in Dokumenten des Heiligen Stuhls erwecke leider den Eindruck, dass einige in der Kirche die Verantwortung der Staaten zum Schutz ihrer Bevölkerungen nicht deutlich genug sähen.

Kahl ist seit 2025 Botschafter Deutschlands beim Heiligen Stuhl. Zuvor war er unter anderem Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND). Sein Wechsel nach Rom habe mehrere Gründe gehabt, so der 64-Jährige: "Zum einen habe ich als Student ein persönliches Interesse an dem Verhältnis zwischen Staat und Kirche entwickelt. Sowohl in geschichtlicher als auch in theologischer und in juristischer Hinsicht. Es gibt keinen spannenderen Ort, um dieses Verhältnis mitzuerleben und vielleicht auch mitzugestalten als hier in Rom." Außerdem sei er sehr gerne Katholik. "Und als solcher bin ich natürlich im Zentrum der Weltkirche gut aufgehoben und sozusagen in einer privilegierten Lage."

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