Die neue Zusammensetzung der Internationalen Theologischen Kommission
Kürzlich veröffentlichte der Vatikan die Liste neu ernannter Mitglieder der Internationalen Theologischen Kommission für die Amtsperiode bis 2031. Beim Durchsehen fällt auf, wie auch dieses Gremium das weltweite und multikulturelle Gesicht der katholischen Kirche zunehmend stärker widerspiegelt. Erstmals übersteigt der jeweilige Anteil von Frauen (26,7 Prozent) und von Laien (30 Prozent) ein Viertel der Mitglieder. Europäer, die zu Beginn der Theologischen Kommission Ende der 1960er Jahre über zwei Drittel ausmachten, bilden nur noch 40 Prozent des Beratungsgremiums, das dem Dikasterium für die Glaubenslehre zugeordnet ist.
Aus deutschsprachigen Ländern sind vertreten der Frankfurter Jesuit und Dogmatiker Bernhard Knorn sowie der Wiener Dogmatiker Jan Heiner Tück. Tück lehrt als Dogmatiker an der Universität Wien. Er ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem zum Dialog von Judentum und Christentum sowie zu Fragen des Verhältnisses von Literatur und Theologie. Ein weiterer Schwerpunkt Tücks ist die Auseinandersetzung mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Der Jesuit Knorn ist ebenfalls Dogmatiker und lehrt seit 2018 an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Forschungsschwerpunkte des Theologen sind Ökumene, interreligiöser Dialog und Konziliengeschichte.
Mehr Frauen
Generalsekretär bleibt der italienische Theologe Piero Coda, der Mailänder Dogmatiker Alberto Cozzi ist weiterhin beigeordneter Sekretär. Bestätigt wurden auch der englische Dominikaner Simon Francis Gaine, Dozent für Dogmatik am Angelicum, der Dominikaner-Hochschule in Rom, der US-amerikanische Theologe Reinhard Hütter, Spezialist für Ekklesiologie und thomistische Theologie, die australische Ordensfrau Isabell Naumann, Expertin für Theologie und Ordensleben, sowie die kongolesische Ordensfrau Josée Ngalula, die sich mit afrikanischer Theologie und der Rolle der Frauen in der Kirche beschäftigt.
Tatsächlich gewinnt Asien an Bedeutung – jedes fünfte Mitglied stammt von dort – vertreten durch Wissenschaftler aus Indien, Malaysia, Südkorea und Taiwan. Auch die afrikanische Präsenz nimmt zu, mit Theologen aus Burkina Faso, Kenia, Benin und der Demokratischen Republik Kongo. Lateinamerika ist mit den großen Ländern Argentinien, Brasilien, Chile und Mexiko vertreten. Im Vergleich zur vorigen Kommission wird eine stärker polyzentrische Sichtweise der Kirche deutlich.
Dabei wird zunehmend verstanden als das Ergebnis der Begegnung verschiedener kirchlicher Lebenswelten. Diese Entwicklung steht im Einklang mit einer der wichtigsten Errungenschaften des Franziskus-Pontifikats: der Überzeugung, dass Katholizität sich durch die Wertschätzung der verschiedenen Ortskirchen ausdrückt.
Verschiedene Experten dabei
Die Mitglieder der vorigen Amtsperiode 2021-2026 waren zu Beginn der von Franziskus initiierten Weltsynode ernannt worden. Herkunft und Themenschwerpunkte der neu ernannten wie auch der bestätigten Theologen und Theologinnen legen nahe, dass es in diese Richtung weitergehen soll. So finden sich unter den Ernannten etliche Experten aus Ekklesiologie, Systematischer Theologie, Patristik und Fundamentaltheologie, was nahelegt, dass die zuletzt gewonnenen Erkenntnisse auf theoretischer und lehrmäßiger Ebene vertieft werden sollen.
Die Frage scheint nicht mehr zu lauten, ob Synodalität zu einer normalen Dimension kirchlichen Lebens werden soll, sondern wie sie verstanden, begründet und dauerhaft in die theologische Reflexion integriert werden kann. Und einen solchen stärker zuhörenden und vermittelnden synodalen Umgang sollen die Mitglieder der neuen Kommission, die aus sehr diversen Kontexten stammen, wohl auch selbst einüben.