Dienst an der Weltkirche
Die Kardinalswürde stelle keine Beförderung, Ehrung oder Dekoration dar, sondern sei ein Dienst an der Weltkirche, erklärte Franziskus. Notwendig dazu sei, dass die Kardinäle "ihren Blick weiten und ihr Herz öffnen". Sie sollten dem Papst mit "brüderlicher Effizienz" in seinem Dienst für die Weltkirche helfen. Dies könne jedoch nur gelingen, wenn sie dem Weg Jesu folgten und sich als "Diener" verstünden. Ein solches öffentliches Schreiben an neue Kardinäle hatte es in der Vergangenheit nicht gegeben.
Franziskus hatte am Sonntag erstmals in seinem Pontifikat neue Kardinäle benannt. Unter ihnen ist auch der deutsche Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller (66), der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation. Der frühere Regensburger Bischof erhielt mit den anderen kirchlichen Würdenträgern aus 14 Ländern eine rote Scheitelkappe und einen Kardinalsring als Zeichen der neuen Würde. Zudem weist der Papst ihnen als Ausdruck der Verbundenheit mit dem Bistum Rom und dem Papst eine sogenannte Titelkirche oder -Diakonie in der Ewigen Stadt zu.
Deutsche Bischöfe gratulieren
Verschiedene deutsche Bischöfe haben Müller zu seiner kommenden Erhebung in den Kardinalsstand gratuliert. In einem Schreiben des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Erzbischof Robert Zollitsch an Müller heißt es: "Deine Erhebung in den Kardinalsstand hat sicherlich ihren ersten Bezugspunkt in Deinem hohen Amt als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Sie ist aber auch eine persönliche Auszeichnung, mit der Dein Wirken als Theologe gewürdigt wird."
Weiter heißt es in Zollitschs Schreiben: "Es ist unser gemeinsames Anliegen, den Glauben zu verkünden und die Theologie so zu vermitteln, dass sie den Glauben stärkt und aufbaut.". Müllers langjährige Verantwortung als Dogmatik- Professor und seine mehr als 400 wissenschaftlichen Veröffentlichungen zeigten seine Schaffenskraft und sein reiches theologisches Wissen.
Müllers Heimatdiözese Mainz erbittet für Müller die Fülle der Gaben des Heiligen Geistes zur Ausübung seines für die ganze Weltkirche wichtigen Amtes, sagte der Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Zu gegebener Zeit wolle Lehmann den neuen Kardinal, der in Mainz-Finthen geboren wurde, in seine Geburtsstadt einladen. Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen nannte die Kardinalswürde für Müller eine Würdigung seiner bisherigen Arbeit als Präfekt der Glaubenskongregation sowie seiner "Lebensleistung als Theologe".
Zehn deutsche Kardinäle
Die Ernennung von Müller und anderen Kirchenmänner ist für den 22. Februar vorgesehen. Dann steigt die Zahl der deutschen Kardinäle auf zehn. Die bisherigen sind: Karl Lehmann (77), Reinhard Marx (60), Joachim Meisner (80), Rainer Maria Woelki (57), Friedrich Wetter (85), Karl Josef Becker (85), Walter Brandmüller (85), Paul Josef Cordes (79) und Walter Kasper (80).
Das Kardinalskollegium ist das wichtigste Beratergremium des Papstes. Zudem hat es die Aufgabe, den Papst zu wählen. Der Papst bestimmt die Kardinäle frei. (meu/KNA)
Papst Franziskus hat den 19 am Sonntag neu benannten Kardinälen einen Brief geschrieben, den der Vatikan am Montag veröffentlichte. Die Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert das Schreiben in einer eigenen Übersetzung: Lieber Bruder, am Tag des Bekanntwerdens deiner Benennung als Mitglied des Kardinalskollegiums möchte ich dir meine herzlichen Grüße und die Versicherung meiner Nähe und meines Gebetes zukommen lassen. Ich möchte, dass du mir, "bekleidet mit der Tugend und Gesinnung des Herrn Jesus" (Röm 13,14), mit Blick auf die römische Kirche in brüderlicher Effizienz bei meinnm Dienst für die Universalkirche hilfst. Die Kardinalswürde ist keine Beförderung, weder eine Ehre noch eine Zierde. Sie ist schlicht ein Dienst, der danach verlangt, den Blick zu weiten und das Herz zu öffnen. Und auch wenn es paradox erscheint: Diese Fähigkeit, weiter zu blicken und umfassender und mit größerer Intensität zu lieben, lässt sich nur erwerben, indem man demselben Weg folgt wie der Herr: dem Leben der Erniedrigung und der Demut, indem man die Gestalt des Dieners annimmt (Phil 2,5-8). Deshalb bitte ich dich, diese Bestimmung mit einem einfachen und bescheidenen Herzen anzunehmen. Auch wenn du dies mit Freude tust, tue es so, dass dieses Gefühl jeglichem Ausdruck von eitler Weltlichkeit, jeglicher Feierlichkeit fernsteht, die dem evangelischen Geist der Strenge, der Nüchternheit und der Armut fremd ist. Auf Wiedersehen also bis zum kommenden 20. Februar, an dem wir zwei Tage zur Reflexion über die Familie beginnen werden. Ich stehe zu deiner Verfügung und bitte dich, für mich zu beten und für mich beten zu lassen. Jesus segne dich, und die Heilige Jungfrau beschütze dich. Brüderlichst Franziskus