Ein Bernini zur Belohnung
Der Geistliche Nunzio Scarano soll den Ermittlern laut italienischen Zeitungsberichten offenbart haben, dass nicht nur das IOR, sondern auch die Apsa von Unternehmern und Bankern genutzt worden sei, um auf Konten mutmaßliches Schwarzgeld zu verstecken. Eigentlich ist die Apsa für die Verwaltung eines Großteils des vatikanischen Immobilien- und Güterbesitzes sowie die Lohn- und Gehaltszahlungen zuständig.
Scarano: Güterverwaltung hat Geld angelegt und verzinst
Die Apsa habe in Wirklichkeit "Bank gespielt", soll Scarano den Ermittlern laut den Medienberichten zu Protokoll gegeben haben. Die Kurienbehörde habe auch für Nichtgeistliche Geld angelegt und dies verzinst. Scarano selbst kaufte für einen Geschäftsmann aus seiner Heimatstadt Salerno nach eigenen Angaben ein Bild von Chagall - "zur Geldanlage", wie er den Ermittlern erklärte. Nach einem Gespräch mit dem damaligen vatikanischen Innenminister, dem heutigen Kardinal Fernando Filoni, im Jahr 2010 seien diese Konten allerdings geschlossen und einige Mitarbeiter aus der Apsa entfernt worden.
Wie das System "Scarano" funktionierte, beschrieb er selbst laut "Corriere della Sera" (Dienstag) den Ermittlern am Beispiel der neapolitanischen Reederfamilie D'Amico. Die Gelder der befreundeten Familie gelangten über Schecks aus Monte Carlo oder Luxemburg auf die Konten des IOR, obwohl deren Firma ihren Sitz in Rom hat, berichtete er. In einem anderen Fall nutzte ein bekannter Bankier sein Konto bei der Apsa angeblich, um eine dubiose Börsenspekulation zu verschleiern. Der Vatikan wollte die Aussagen des früheren Oberbuchhalters nicht kommentieren.
Der Ende Juni von der Polizei verhaftete Scarano ist eine schillernde Persönlichkeit. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 61-jährigen Geistlichen vor, an dem letztlich gescheiterten Versuch beteiligt gewesen zu sein, 20 Millionen Euro Bargeld aus der Schweiz nach Italien zu schmuggeln. Das Geld soll der Familie D'Amico gehören.
Scarano soll einem früheren Mitarbeiter des italienischen Inlandsgeheimdienstes AISI einen Scheck über 400.000 Euro übergeben haben, damit dieser das mutmaßliche Schwarzgeld in einem Privatjet über die Grenze bringt. Auch der Ex-Geheimdienstarbeiter sowie ein Finanzmakler, der das Geld in der Schweiz verwaltete, wurden festgenommen.
Scaranos Anwälte bestreiten unterdessen jegliche Schuld; der Angeklagte habe stets in guter Absicht gehandelt. Gegenwärtig soll sich Scarano in einem Krankenhaus seiner Heimatstadt Salerno unter Arrest befinden. Zwei Wochen vor Beginn der Beratungen der Kardinalsgruppe für die Kurienreform wirft der Fall Scarano ein denkbar ungünstiges Licht auf die Apsa und das IOR. Unklar ist bislang allerdings, ob die von ihm enthüllten Missstände durch die verstärkten Bemühungen des Vatikan um Transparenz seiner Geldgeschäfte seit 2010 inzwischen abgestellt werden konnten.
Legt Franziskus beide Insitutionen zusammen?
Unterdessen spekulieren italienische Medien, dass Papst Franziskus im Zuge einer Kurienreform Apsa und IOR zusammenlegen und eine zentrale Behörde schaffen werde, die für alle finanziellen und wirtschaftlichen Belange des Heiligen Stuhls zuständig ist.
Scaranos Auftraggeber zumindest waren offenbar sehr zufrieden mit der Arbeit des Monsignore: Der Reeder Antonio D'Amico schenkte ihm ein goldenes Kruzifix von Bernini. Die italienische Fürstin Guidy Caracciolo di Castagneto ließ ihm sechs Bilder des Malers De Chirico (1888-1978) zukommen. Da gibt es allerdings noch ein kleines Problem, wie Scarano den Ermittlern erklärte: Deren Echtheit ist noch nicht bestätigt.
Von Thomas Jansen (KNA)