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Papst beendet eintägige Pastoralreise in die mittelitalienische Region Molise

Ein Besuch Marke "Franziskus"

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Castelpetroso/Isernia - Der Papst hat seine eintägige Pastoralreise in die mittelitalienische Region Molise beendet. Es war ein Besuch Marke "Franziskus", bei der der Pontifex sich wieder einmal für die einsetzte, deren Stimmen in der Gesellschaft nur selten gehörte werden. Er rief zum Kampf gegen Arbeitslosigkeit auf, ermutigte Jugendliche, sich auf feste Partnerschaften einzulassen, und besuchte erneut ein Gefängnis.

Franziskus begann seine Reise am Samstagmorgen in Campobasso. Mit dem Hubschrauber landete er in der Hauptstadt der Region Molise, die besonders stark von der landesweiten Wirtschaftskrise betroffen ist. Bei seiner Rede vor Arbeitern rief er nachdrücklich zum Kampf gegen Arbeitslosigkeit auf. Es gehöre zur Menschenwürde, selbst für seinen Lebensunterhalt zu sorgen, sagte der Papst. "Wir können zur Caritas oder anderen Hilfsorganisationen gehen. Das Problem besteht nicht darin, Essen nach Hause zu tragen, sondern dass dies einem die Würde nimmt." Er forderte daher einen "Pakt für Arbeit" zwischen Unternehmern und Mitarbeitern.

Franziskus pochte zudem auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dies sei heute ein kritischer Punkt in der Arbeitswelt. "An ihm können wir die menschliche Qualität des Wirtschaftssystems, in dem wir leben, abmessen und bewerten." Dazu zählt für den Papst auch der Schutz des freien Sonntags. Der Mensch müsse hier Vorrang vor dem Profit haben. Die Wirtschaft müsse sich fragen, ob die Möglichkeit zur Sonntagsarbeit wirklich etwas mit Freiheit zu tun habe.

Papst Franziskus wird die Region Molise in Italien besuchen. Viele kommen dorthin, um zu wandern. Wer Arbeit sucht, zieht weg.

Papst fordert "Kultur der Solidarität"

Nach dem Treffen ging es für den Papst im Papamobil weiter ins Zentrum der Stadt, wo er gemeinsam mit tausenden Gläubigen eine Messe feierte. In seiner Predigt forderte er dazu auf, eine "Kultur der Solidarität" zu verteidigen. Angesichts einer Welt, die von materieller und spiritueller Not geprägt sei, gebe es großen Bedarf dafür. Staat, Arbeitgeber und Finanzwelt trügen dabei die größte Verantwortung, so der Papst. "Es ist nötig, aus jeder Perspektive und bei jeder Maßnahme die Würde der menschlichen Person in den Mittelpunkt zu stellen. Andere Interessen, auch wenn sie legitim sind, werden zweitrangig."

Im Anschluss an den Gottesdienst reiste der Pontifex weiter zum Marienheiligtum von Castelpetroso, suchte die neogotische Kirche für ein kurzes Gebet auf und nahm dann mit rund 50 armen Menschen in einer Hilfseinrichtung der örtlichen Caritas das Mittagessen ein. Danach warb Franziskus vor mehreren 10.000 Jugendlichen und weiteren Pilgern für dauerhafte Partnerschaften. Die heutige "Kultur des Provisorischen" widerstrebe der tiefen menschlichen Sehnsucht nach festen und liebevollen Bindungen, so der Papst. "Lasst Euch nicht den Wunsch rauben, in Eurem Leben große und beständige Dinge aufzubauen. Gebt Euch nicht mit kleinen Zielen zufrieden", rief er den Teilnehmern zu.

Auch betonte der Pontifex, dass eine Generation ohne Arbeit "eine kommende Niederlage für das Land und für die Menschlichkeit" sei. Die Gesellschaft dürfe sich nicht damit abfinden, eine Generation zu verlieren, die ohne Aussicht auf Jobs ihrer Würde beraubt werde. "Wir müssen uns dagegen wehren und Wege der Hilfe und Solidarität finden", forderte der Papst unter starkem Beifall seiner Zuhörer. Der Begriff der Solidarität gefalle der heutigen Welt nicht, mancher empfinde ihn gar als Schimpfwort.

Erneutes Treffen mit Gefängnisinsassen

Im nahegelegenen Gefängnis des Ortes Isernia traf sich Franziskus schließlich erneut mit Strafgefangenen. Bereits vor 14 Tagen hatte er bei seiner Reise ins süditalienische Kalabrien ein Gefängnis besucht und dort eine bessere Resozialisierung gefordert. Der Ruf nach möglichst langen Haftstrafen löse kein einziges Problem, sagte Franziskus. Menschen nur wegzusperren, um sie so lange wie möglich hinter Gittern zu belassen, helfe nicht. Franziskus forderte ein neues Denken beim Haftvollzug sowie in der Gesellschaft. "Das Wichtige ist, nicht stehen zu bleiben - wenn Wasser stehen bleibt, dann fault es - sondern voranzugehen", so der Papst.

Lasst Euch nicht den Wunsch rauben, in Eurem Leben große und beständige Dinge aufzubauen.

Papst Franziskus zu Jugendlichen

Gott werde nicht müde, den Menschen zu verzeihen, sie an die Hand zu nehmen und ihnen beim Vorwärtsschreiten zu helfen, wenn sie ihn suchten. Nach diesem Vorbild müsse auch die Gesellschaft handeln und Gefangenen eine neue Chance geben, sagte Franziskus. Zu glauben, dass sich das Innere eines Menschen nur "durch Prügel" ändere, entspreche nicht dem Willen Gottes. "Er lässt uns wieder aufstehen und gibt uns unsere Würde vollständig zurück", betonte der Papst. Die Gefangenen ermutigte er, niemals die Hoffnung zu verlieren. Die Hoffnung, die sie in Gott setzten, werde niemals enttäuscht.

Mit einem Appell für ein menschlicheres Wirtschaftssystem beendete der Papst seine Reise. Die Suche nach einer gerechten und solidarischen Welt gründe nicht auf Träumerei und Illusion, sagte er am Abend in der Stadt Isernia. Auch wenn die christlichen Ideale der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe in der realen Welt wenig Platz hätten, seien sie keine Flucht vor der Wirklichkeit, so der Papst. In der Nächstenliebe liege die Kraft für eine gerechtere Wirtschaftsordnung. Sie stelle nicht Geld und Profit, sondern den einzelnen Menschen, seine Arbeit und Familie in den Mittelpunkt.

"Wir sind weder Träumer noch Illusionisten, noch wollen wir Oasen außerhalb der Welt erschaffen", sagte Franziskus vor mehreren zehntausend Pilgern und Besuchern. "Wir glauben vielmehr, dass diese Straße diejenige ist, die für alle gut ist, die Straße, die uns wirklich der Gerechtigkeit und dem Frieden näherbringt." Anlass seiner Rede war die Eröffnung eines Festjahrs für Papst Cölestin V. (1215-1296), der vor 800 Jahren in Isernia geboren wurde. (bod/KNA)

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