Ein Brief des Papstes ist zu wenig
Endlich, möchte man sagen. Endlich hat sich der Papst zur neuen Welle von Schlagzeilen über sexuellen Missbrauch durch Priester und dessen Vertuschung durch Bischöfe geäußert. Obwohl bekannt war, wann die Grand Jury in Pennsylvania ihren Bericht veröffentlichen wird, brauchte der Vatikan zwei Tage für eine Stellungnahme. Erst weitere vier Tage später äußerte sich der Papst selbst. Dennoch: Sein Brief an "das Volk Gottes" in aller Welt ist ein richtiger Schritt.
Der Brief ist aber zu wenig konkret. Er sagt nicht, was schon getan wurde, um Missbrauch und Vertuschung zu verhindern. Und nicht, was noch getan wird, insbesondere gegen das Versagen der kirchlichen Führungsschicht. Mag sein, dass es diese Aussagen an vielen anderen Stellen gibt, aber hier hätten sie dann wiederholt werden müssen.
Die Umkehr, von der der Papst schreibt, ist nicht nur ein geistlicher Prozess, sondern muss konkret sichtbar sein. Etwa indem der Papst weltweit eigene Nachforschungen anordnet, die öffentlich gemacht werden müssen. Und auf jeden Fall durch Rücktritte und Amtsenthebungen von Bischöfen, die Missbrauchstäter – aus welchen Gründen auch immer – gedeckt haben.
Macht die Kirche mit der Umkehr ernst, muss die kirchliche Hierarchie die Kontrolle abgeben und sich in die Hände anderer begeben – von unabhängigen Untersuchungsausschüssen und Strafverfolgungsbehörden zum Beispiel. In den meisten demokratischen Ländern ließen sich sicher entsprechende Wege finden. Ebenso muss die Kirche klären, wie sie mit Fehlern und Versagen von Bischöfen umgeht. Wie wäre es etwa, wenn Untersuchungen über Fehler von Bischöfen nicht mehr nur zwischen Bischof, Nuntiatur und Vatikan diskutiert werden, sondern auch ein Diözesanrat eine Stellungnahme dazu abgeben dürfte, ob ein Bischof im Amt bleiben soll oder nicht?
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.