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Das Bistum will radikale Reformen einleiten. Und dabei Maß nehmen am Papst

Ein Rock geht durch Trier

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Bonn - In der Vatikan-Kolumne "Franz & Friends" geht es in dieser Woche um die Trierer Diözesansynode - und warum der Papst seine Freude an ihr gehabt hätte.

Katholische Bischöfe scheinen Angst vor Synoden zu haben. Früher sollten sie alle zehn Jahre eine abhalten. Auf Synoden sollen Bischöfe die Gläubigen fragen, was in der Kirche anders laufen muss. So hatte es der Papst verfügt. Aber kein Bischof hält sich daran. Denn wer fragt, muss mit den Antworten leben. Das hat Papst Franziskus selber mit seiner Familiensynode zu spüren bekommen. Dort stritten sich gestandene Kardinäle wie die Kesselflicker. Das ist nicht schlimm, aber ungewohnt. Franziskus will jedenfalls eine synodale Kirche, Streit inbegriffen.

Die soll er jetzt in Trier bekommen. Dort wurde am Sonntag nach drei Jahren Beratung eine Diözesansynode beendet. Die Gläubigen waren mutig. Kein Reizwort, das sie nicht in die Schlusserklärung gepackt hätten. Sie wollen Rituale und Gebete für Geschiedene sehen, die neu verheiratet sind. Die Kirche soll ihre Haltung zu Menschen in homosexuellen Partnerschaften ändern. Bisher droht sie ihnen die Kündigung an, wenn sie bei der Kirche beschäftigt sind. Denn gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind in der katholischen Kirche ein "schwerwiegender Loyalitätsverstoß" und ein "irreguläres Verhältnis". Die Synode meint dagegen, dass man solche Formen von Familie respektieren soll. Und sie will, ein altes Streitthema, Protestanten zur Eucharistie zulassen, wenn die mit Katholiken verheiratet sind. So wie es im Bistum Straßburg zum Beispiel schon eine Generation lang geht.

Auch das Wort "Gender" kommt im Synodenschlusspapier zweimal vor, ganz ohne den bei katholischen Bischöfen beliebten Zusatz "-Ideologie" oder "-Wahn". Die Synodalen wollen sogar "die Sprache der Liturgie auf Geschlechtersensibilität hin prüfen und weiterentwickeln " Frauen sollen gleiche Karrierechancen bekommen. Es muss ein Rock durchs Bistum gehen.

Laien, also ungeweihte Frauen und Männer, sollen Predigten halten dürfen. Das ist in der Eucharistiefeier verboten. Aber da möge Bischof Stephan Ackermann, sagen die Synodalen, "darauf hinwirken, dass die Frage neu geprüft und gegebenenfalls das Recht angepasst wird". Es kann sein, dass das etwas länger dauert. Aber da Ackermann die Synode selber einberufen und erklärt hat, dass er sich an die Ergebnisse hält, muss er sich schon Mühe geben. Zumindest ist das Thema wieder einmal in die Welt gesetzt.

Franziskus wird seine helle Freude daran haben. Denn synodal heißt auf Katholisch: Der Papst, der Bischof und die Priester können ganz allein entscheiden. Sie sollten es aber nicht tun. Zum Anfang vor drei Jahren musste Ackermann trotzdem klarmachen, dass in der katholischen Kirche einiges vorgegeben ist. In der Schlusserklärung ist daher manche Forderung zum Wunsch abgeflacht. Und die Teilnehmer versichern, dass es auch künftig in Trier nicht "basisdemokratisch" zugeht. Aber sie erwarten, dass Bischof und Pfarrer umsetzen, was alle gemeinsam beschlossen haben. Nichts muss perfekt sein, sagt die Synode und lobt eine "gelungene Halbheit". Auch das erinnert an Franziskus. Der sagt, ihm sei ein verbeulte Kirche nah bei den Menschen lieber als eine entrückt glänzende. Trier bewegt sich.

Christ & Welt

Diesen Text der Kolumne "Franz & Friends" publiziert katholisch.de mit freundlicher Genehmigung von "Christ & Welt", einer Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit". "Christ & Welt" - das sind sechs Seiten, die sich auf Glaube, Geist und Gesellschaft konzentrieren, sechs Seiten mit Debatten, Reportagen und Interviews aus der Welt der Religionen. "Christ & Welt" ist im Jahr 2010 aus der traditionsreichen Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" hervorgegangen.

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