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Volker Resing über Putins Besuch beim Papst

Eine Gratwanderung

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Schachfigur
Bonn - Volker Resing über Putins Besuch beim Papst

Der Besuch von Russlands Präsident Wladimir Putin bei Papst Franziskus ist keine Lappalie im römischen Geschehen, keine Randnotiz im vatikanischen Terminkalender. Das Treffen im Apostolischen Palast  kann eine große Chance sein, es kann sich auch als Fehler herausstellen. Nach dem unpolitischeren Pontifikat Benedikts macht Franziskus wieder "große" Politik. Das aktuelle Vorgehen in der Russland-Ukraine-Frage ist von allen das risikoreichste. Vielleicht ist es sogar gefährlich.

Gerade haben die mächtigsten Politiker der Welt ohne Putin im bayrischen Elmau getagt. Es war weltpolitisch ein drastisches Signal, die so genannte G8 zur G7 zu schrumpfen – rund 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges. Die Weltgemeinschaft ächtet damit das Vorgehen Russlands in der Ukraine Krise, insbesondere die Annexion der Krim.

Und der Papst empfängt nun den so Ausgeschlossenen? Welches Signal soll nun davon ausgehen? Der Papst als Vermittler? Der Papst als Friedensstifter? Oder der Papst als Sympathisant etwa? Nach dem abendlichen Gespräch drang nur Spärliches nach außen. Manche Beobachter hatte mehr erhofft, ein größeres Signal. Doch welche Nachwirkungen diese Begegnung hat, ist noch nicht ausgemacht.

Das große kirchliche Anliegen, das sich auch hinter der Kontaktaufnahme mit Moskau verbirgt, ist eine Annäherung an die Orthodoxie. Wenn Franziskus gelänge, was seine Vorgänger nicht erreichen konnten, ein Besuch in Russland und eine Begegnung mit dem Patriarchen, so wäre das möglicherweise für die gesamte Christenheit ein großer Schritt.

Aber diese Annäherung darf nicht um den Preis irreführender Allianzen errungen werden. Wenn mit dem Putin-Besuch eine verborgene römische Sehnsucht nach alter Autorität und vermeintlicher bedrohter christlicher Werte befriedigt werden soll, dann dient dies auch nicht dem Frieden in Europa. Der Papst muss, wie der heilige Johannes Paul II., ein Vermittler zwischen Ost und West sein und zugleich ein aufrechter Streiter für die Freiheit. Wenn Putin das merkt, dann kann er gerne noch oft nach Rom reisen.

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