Eine starke Gruppe
Unter den amtierenden Kurienkardinälen gibt es derzeit zwei deutschsprachige: Neben Kardinal Gerhard Ludwig Müller ist dies der Schweizer Kardinal Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, eine Art Ökumeneministerium.
Eine besondere Rolle im Vatikan spielt der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Franziskus machte ihn im März zum Koordinator des neu geschaffenen vatikanischen Wirtschaftsrates. Marx ist damit für die Kontrolle der wirtschaftlichen und finanziellen Belange der Kirchenzentrale zuständig. Er gehört außerdem dem neunköpfigen Kardinalsrat für die Kurienreform an.
Zwei Deutsche im Bischofsrang
Im Bischofsrang gibt es im Vatikan derzeit zwei weitere Deutsche: Erzbischof Georg Gänswein und Bischof Josef Clemens. Gänswein ist Präfekt des Päpstlichen Hauses und damit für die offiziellen Audienzen des Papstes zuständig. Zugleich ist der Priester aus dem Schwarzwald weiterhin Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., der seinerseits gelegentlich noch eine beratende Nebenrolle spielt.
Der aus Siegen stammende Clemens ist als Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien der "zweite Mann" dieser Behörde. Der frühere Privatsekretär des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger ist seit 1983 an der römischen Kurie und damit der dienstälteste aktive deutsche Mitarbeiter. Der Bischof ist etwa für die Weltjugendtage und geistliche Gemeinschaften zuständig.
Mehrere Priester sind Untersekretäre
Drei Priester aus dem deutschsprachigen Raum bekleiden im Vatikan das Amt eines Untersekretärs. Damit stehen sie nach dem Präfekten oder Präsidenten und dem Sekretär an dritter Stelle in der Hierarchie vatikanischer Behörden. Untersekretär in der Bischofskongregation ist der aus dem Bistum Trier stammende Priester Udo Breitbach. Die Bischofskongregation bereitet die päpstliche Ernennung von Bischöfen vor und hat damit einen großen Einfluss auf die Personalpolitik der Weltkirche. Der gebürtige Wiener Friedrich Bechina ist Untersekretär der Bildungskongregation, die für kirchliche Universitäten und theologische Fakultäten verantwortlich ist. Der Salesianerpater Markus Graulich aus dem Bistum Limburg ist im gleichen Rang im Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte tätig, der das katholische Kirchenrecht auslegt.
Auch für die Beziehungen zum Judentum ist im Vatikan ein Deutscher mitverantwortlich: Der aus Franken stammende Salesianerpater Norbert Hofmann ist Sekretär der zuständigen Kommission.
Auch im Hintergrund nicht ohne Einfluss
Um das Gewicht der Ortskirchen zu stärken, werden seit 1967 auch Ortsbischöfe zu Mitgliedern der vatikanischer Behörden berufen. So sitzt der Münsteraner Bischof Felix Genn, der wie Breitbach aus dem Bistum Trier stammt, in der Bischofskongregation. Gleich drei deutsche Ortsbischöfe sind Mitglied im vatikanischen Ökumeneministerium: Kardinal Rainer Maria Woelki, Kardinal Karl Lehmann und Bischof Gerhard Feige.
Im Hintergrund, aber nicht ohne Einfluss, wirken auch noch die emeritierten deutschen Kurienkardinäle Walter Kasper, Paul Josef Cordes und Walter Brandmüller. Vor allem Kasper war im Franziskus-Pontifikat von Anfang an ein wichtiger Ideengeber.
Insgesamt gibt es ferner etwa zwei Dutzend Deutsche in den Arbeitsstäben der römischen Kurie, die auf Referenten-Ebene tätig sind. Einen festen Schlüssel für die einzelnen Nationen, etwa nach der Zahl der Katholiken, kennt die Kirchenzentrale mit ihren 2.900 Mitarbeitern nicht. Allerdings bemüht man sich im Vatikan darum, dass möglichst alle Regionen und die wichtigsten Sprachen angemessen vertreten sind. Das ist nicht immer leicht. Angesichts des Priestermangels in Deutschland etwa brauchen die Bischöfe meist alle guten Leute in ihrer eigenen Diözese. Gerade in den mittleren Rängen sind Italiener immer noch stark überproportional vertreten.
Von Thomas Jansen (KNA)