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Kilian Martin über die Ökumene und den Papst

Einheit braucht Klarheit

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Schachfigur
Bonn - Kilian Martin über die Ökumene und den Papst

Ökumene braucht Klarheit. Der Weg zur vollen Einheit der Christenheit ist viel zu wichtig und zugleich viel zu schwierig, als dass er ohne unmissverständliche Wegweiser beschritten werden könnte. Auf komplexe theologische Fragen müssen eindeutige Antworten gefunden werden. Das weiß selbstverständlich auch Papst Franziskus. Bei seinem Besuch einer lutherischen Gemeinde in Rom am Wochenende wollte er sich daher nicht zur brisanten Frage nach der Abendmahlgemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten äußern; das müssten Theologen tun, "die sich auskennen". Dann äußerte er sich doch und betonte bewusst uneindeutig die Gewissensentscheidung der Gläubigen.

Revolutionär ist das nicht. Das geltende Kirchenrecht erkennt das Recht auf Sakramentenempfang aller Christen an, also nicht nur der Katholiken. Ebenso etwa die Möglichkeit für Protestanten, unter gewissen Voraussetzungen die Sakramente der Buße und der Eucharistie zu empfangen. Die katholische Kirche ist längst nicht so verschlossen, wie viele denken mögen.

Trotzdem sind die päpstlichen Aussagen für das Vorankommen in der Ökumene leider wenig hilfreich. Volle Einheit erreichen wir nicht, indem wir uns lediglich unserer Gemeinsamkeiten vergewissern. In erster Linie müssen die trennenden Unterschiede klar benannt werden, um sie letzten Endes überwinden zu können. Dazu gehört etwa, dass Katholiken und Protestanten zwar in der Taufe vereint, im Amtsverständnis aber weit voneinander entfernt sind. Und dazu gehört auch, dass die katholische Kirche sich nicht lediglich als eine von vielen christlichen Gemeinschaften nebeneinander versteht, sondern als die eine, allgemeine Kirche Jesu Christi.

Symbol dieses Anspruchs ist das Amt des Papstes, des Bischofs von Rom, wie Franziskus sich selbst vorzugsweise betitelt. Es ist zugleich Zeichen und Garant der Einheit der großen Weltkirche. Von ihm muss letztlich der Weg zur Einheit ausgehen. Denn Trennungen werden nicht überwunden, indem sie "an der Basis" in trauter Gemeinsamkeit einfach ausgeblendet werden. Die Einheit verlangt Klarheit im eigenen Bekenntnis – auch vom Papst.

Zur Person

Kilian Martin ist Volontär bei katholisch.de

Hinweis

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