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Hans Joachim Meyer über Papst Franziskus und die Lage der Kirche

Einige Schatten, viel Licht

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Hildesheim - Einige Schatten, aber auch viel Licht sieht Hans Joachim Meyer in der katholischen Kirche von heute. Seine Hoffnungen setzt der ehemalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) dabei vor allem auf den neuen Papst Franziskus, wie er am Mittwochabend bei seinem Vortrag "Zwischen Resignation und neuem Aufbruch" im Roemer- und Pelizaeusmuseum Hildesheim sagte. Meyer sprach auf Einladung des Hildesheimer "Arbeitskreis Kirchendialog".

Mit Franziskus wehe wieder ein Geist der Offenheit und des Nachdenkens durch die Kirche, glaubt Meyer. Nach seinem Eindruck könne der Papst ein neues Kapitel der Kirchengeschichte aufschlagen, ähnlich wie einst Johannes XXIII. In den Äußerungen des Papstes glaubt Meyer einen Grundzug zu erkennen: "Er setzt nicht auf Ermahnung, sondern auf die gewinnende Kraft der Frohen Botschaft, zum Beispiel beim Thema Homosexualität." Dabei komme ihm vermutlich auch seine reiche pastorale Erfahrung in den Elendsvierteln Südamerikas zugute. Während Papst Benedikt XVI. eher philosophisch argumentiert habe, agiere sein Nachfolger ganz und gar sozialethisch.

Alle bisherigen Äußerungen des Papstes ergeben nach Meyers Eindruck aber erst "die Andeutung eines Programms". In seiner Wortwahl sei Franziskus oft noch sehr vage und unentschieden, bedauerte der frühere ZdK-Präsident. Über den Zölibat spreche Franziskus gar nicht und auch das Priestertum der Frau sei kein Thema für ihn.

Enttäuschte Hoffnung

Womit Meyer auf die "resignativen" Punkte zu sprechen kam. In einem kurzen kirchengeschichtlichen Abriss beschrieb er den Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und die zahlreichen Enttäuschungen, die ihm trotz aller positiven Veränderungen folgten. Viele Forderungen der Würzburger Synode (1971-1975) seien noch nicht umgesetzt, die Stellung der Laien und der Frauen in der Kirche zu schwach.

Der ehemalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer.

Mit dem Ausstieg der Kirche aus der Schwangerschaftskonfliktberatung 1999 sieht Meyer den Beginn eines Abstiegs in der öffentlichen Meinung. Die diözesanen Umstrukturierungen seien eine direkte Folge des Priestermangels, über den in der Kirche nicht öffentlich nachgedacht werde. Alles längst bekannte Fragen, die sich für Meyer nur durch «überzeugende Antworten» erledigen würden. Die sieht er bislang nicht.

Der Vortrag von Hans Joachim Meyer, der dem ZdK von 1997 bis 2009 vorstand, war der letzte in einer elfteiligen Reihe, die seit 2012 zahlreiche bekannte Redner nach Hildesheim brachte. Darunter waren die Jesuiten Klaus Mertes und Andreas R. Batlogg sowie andere renommierte Theologen wie etwa Paul Zulehner und Thomas Schüller.

Von Michael Lukas (KNA)

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