Einmal Papst sein...
Kein Meisnerabschied, kein Papst, nicht einmal ein Bischof aus dem Bistum an der Lahn findet im Rosenmontagszug einen bescheidenen Platz. Einzig Mainz bietet Franz-Peter Tebarzt-van Elsteine goldverzierte Badewanne voller Dukaten.
Bischofsköstume sind beliebt
Anders sieht die Sache beim jecken Fußvolk aus: Kostümhändler verkaufen so viele Bischofsroben wie nie zuvor. "Am Limburger Bischof kommt man diese Saison nicht vorbei", meint der Zugleiter des Mainzer Carneval-Vereins, Kay-Uwe Schreiber. Auf einem von 15 Motivwagen wird der Limburger Bischof in Mainz triumphieren, neben gefallenen gelben ADAC-Engeln, dem angeschlagenem FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß und anderen vermeintlichen Verlierern des vergangenen Jahres.
Beim Festkommitee Kölner Karneval heißt es dagegen: "Das Thema Tebartz ist längst durch." Darauf habe man sich schon im November geeinigt, als die Themen für die Motivwagen festgelegt werden mussten. Dem scheidenden Kardinal Joachim Meisner einen karnevalistischen Abschied zu bereiten, habe auch nie zur Debatte gestanden: "Warum sollten wir ihn karikieren? Wir werden den Kardinal abseits von Karneval persönlich verabschieden", erklärte die Sprecherin vom Festkommitee Kölner Karneval, Sigrid Krebs.
Lediglich das Thema Kirchenfinanzen greift ein Wagen auf und phantasiert Sponsoren für Meisners Erzbistum herbei; so bieten "Messe Köln" und "4712" Flatrate-Tarife: Zweimal sündigen, einmal beichten. Und Papst Franziskus? Der ist nirgends Thema, beteiligte sich am Mittwoch aber wenigstens indirekt am närrischen Treiben, als er während der Generalaudienz ein als Papst verkleidetes Kleinkind herzte.
Ohne Ostern keine Fastnacht
Dabei gehören Kirche und Karneval seit je her zusammen, weiß Brauchtumsforscher und Theologe Manfred Becker-Huberti: "Ohne Ostern gäbe es keine Fastnacht. Karneval richtet sich ursprünglich nach dem christlichen Hochfest." Vor der Fastenzeit galt es früher, alles an Fett, Fleisch und sonstigen verderblichen Lebensmitteln - auch Bier - zu "vernichten". Schlemmen im Überfluss vor der Fastenzeit hat also Tradition. An Karneval werden die Verhältnisse auf den Kopf gestellt, erklärt Becker-Huberti weiter. "Dazu zählen Weiberfastnacht und der Sturm aufs Rathaus als Machtumkehr." Die Kirche sei dabei immer schon Gegenstand der Kritik gewesen, auch wenn sie das nicht immer lustig finde. "Man muss es auch ertragen können, mal durch den Kakao gezogen zu werden", betont der Theologe.
Das müssen Politiker wie Merkel, Wulff und Rösler regelmäßig - warum also diesmal nicht Tebartz-van Elst? Ein Bischofskostüm ist jedenfalls billiger als jede Badewanne, soviel steht fest. Wer sich einmal wie Franz-Peter Tebartz-van Elst fühlen oder zumindest ähnlich aussehen will, muss nämlich keine Millionen auftreiben - rund 31 Euro reichen aus, gegen Aufpreis ist auch ein goldenes Brustkreuz erhältlich. Noch sind Bischofs- und Kardinalsroben in den Filialen des Kölner Kostümriesen "Karnevalswierts" erhältlich; im Online-Shop sind sie restlos ausverkauft.
"Scheinheilige" sind beliebt
"Den Heiligenschein gibt's gratis dazu", bemerkt ein Unternehmenssprecher süffisant und weist außerdem darauf hin, dass sämtliche Verkleidungen der Kategorie "Scheinheilige" (Engel, Teufel, lila Mönch, sexy Nonne) jede Saison gut laufen. Auch der Kostümhändler "Deiters" kann den Andrang auf bestimmte Outfits bestätigen: "Das Bischofskostüm ist der Megarenner dieses Jahr", sagt ein Sprecher. Bei den kirchlichen Kostümierungen schätzt der Händler sein Umsatzplus auf bis zu 200 Prozent. Auch die Papstwahl 2013 habe dazu beigetragen, dass Kirchenmänner im Karneval aktuell so beliebt seien, übrigens auch bei Frauen. Für den Sprecher kein Wunder: "Im Karneval ist schließlich alles erlaubt."
Von Julia Rathcke (KNA)
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