"Folgt dem Wort Christi"
Die Kirche sei in erster Linie die "Familie Christi", die sich nicht für den Skandal des Kreuzes schämen sollte. Mit dem Papst konzelebrierte der kubanische Kardinal von Havanna, Jaime Lucas Ortega y Alamino. Zur Messe waren besonders die Gentiluomini, die für die Gestaltung der Audienzen zuständigen päpstlichen Kammerdiener, eingeladen.
Die Kirche dürfe sich nicht dem Geist der Welt anpassen oder sich von ihren Moden hinreißen lassen, mahnte Franziskus. Christen würden manchmal aufgefordert: "Ihr solltet normaler und vernünftiger sein, wie andere Menschen auch. Ihr sei zu streng. Kommt uns nicht mit solchen Geschichten wie der Menschwerdung Gottes", so der Papst in seiner Predigt.
Die Christen erhielten viele solcher gutgemeinten Vorschläge, hinter denen jedoch die Leugnung ihrer zentralen Botschaft stehe. Sie fänden viel Anerkennung für ihre Sozialarbeit, die Motivation dafür aus den Wurzeln des christlichen Glaubens stoße dagegen oft auf Unverständnis und werde zum Skandal, sagte das Kirchenoberhaupt.
Papst beendet Marienmonat Mai
Am Freitagabend hatte der Papst mit einem Wortgottesdienst und einer Meditation auf dem Petersplatz den Marienmonat Mai beendet. Vor mehreren zehntausend Gläubigen rief das Kirchenoberhaupt dazu auf, dem "Wort Christi und nicht den tausend Worten dieser Welt zu folgen".
Die Menschen sollten sich nicht von den "Moden des Augenblicks" leiten lassen, sondern - wie die Gottesmutter Maria - den Mut haben, auch gegen den Strom zu schwimmen. Zugleich sollten sie ein offenes Ohr für die Menschen haben, denen sie täglich begegneten, vor allem für die Armen und die Menschen in Schwierigkeiten. Christen hätten die Aufgabe, "den anderen die Liebe Jesu und der Welt das Licht des Evangeliums zu bringen".
Zuvor hatte Kardinal Angelo Camastri, Generalvikar des Papstes für den Vatikanstaat, auf dem Petersplatz ein Rosenkranzgebet geleitet. Während der Feier wurde eine große Marienstatue in Prozession durch das Menschenspalier getragen.
Franziskus trifft krebskranke Kinder
Unmittelbar vor dem Gottesdienst auf dem Petersplatz war Franziskus mit einer Gruppe krebskranker Kinder zusammengetroffen. Die Begegnung mit den 22 kleinen Patienten der onkologischen Abteilung der römischen Gemelli-Klinik fand in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta statt.
Franziskus habe mit den Kindern gemeinsam gebetet und sie zusammen mit ihren Eltern und Pflegern herzlich begrüßt, heißt es in einer Vatikan-Mitteilung vom Abend. Ein Kind habe ein Grußwort an den Papst gerichtet mit der Bitte, dass er "für alle Kinder in der Gemelli-Klinik und in der Welt" bete. Die Kinder hatten zuvor an einer Lourdes-Wallfahrt teilgenommen und während der Reise dem Papst einen Brief geschrieben mit der Bitte, ihn treffen zu können.
Franziskus habe mit den Kindern und ihren Begleitern - insgesamt 70 Personen – das Vaterunser gebetet und das Marienlied von Lourdes gesungen. Er richtete einige Worte an sie. Zuvor hatte ein Kind im Namen seiner Mit-Patienten den Papst begrüßt: "Lieber Papst, ich bin sehr froh, hier in deinem Haus mit meinen Freunden von der Gemelli, den Ärzten und Helfern sein zu können, und mit den Priestern, die uns nach Lourdes begleitet haben", sagte das Kind. (stz/KNA)