Franziskus besorgt über "Ausblutung" der Orden
Papst Franziskus hat sich besorgt über den Mitgliederschwund katholischer Orden geäußert. "Wir leben geradezu in einer Zeit der Ausblutung, die das religiöse Leben und damit das Leben der Kirche selbst schwächt", sagte er am Samstag im Vatikan vor Ordensleuten. Die Treue zum Ordensleben werde derzeit auf eine harte Probe gestellt.
Der Papst forderte zugleich eine bessere seelsorgliche Begleitung von Ordensleuten. Viele Berufungen gingen deshalb verloren, weil es an guten Begleitern fehle. "Es ist schwierig, treu zu sein, wenn man alleine auf dem Weg ist", so Franziskus vor der Vollversammlung der vatikanischen Kongregation für das Ordensleben. Die Ordensleute ermahnte er zu einem einfachen Leben an der Seite der Armen und Notleidenden.
"Kultur des Provisorischen" mit offener Seitentür
Vor allem die Zahl der Ordensfrauen weltweit ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gesunken. Seit 2000 ging sie um mehr als 10 Prozent auf derzeit rund 680.000 zurück.
Von 2014 bis 2016 fand das "Jahr des geweihten Lebens" statt. Die Initiative sollte das Wirken der verschiedenen Gemeinschaften fördern. Katholisch.de stellt interessante Geschichten rund um das Ordensleben vor.
Der Papst nannte mehrere Gründe für die hohe Zahl von Ordensaustritten. Einer sei eine "Kultur des Provisorischen". Sie kennzeichne der Wunsch, "immer einer Seitentür offen zu halten für andere Möglichkeiten". Dies könne man als "praktischen Relativismus" bezeichnen, sagte Franziskus und griff damit ein Schlagwort seines Schreibens "Evangelii gaudium" von 2013 auf.
Es gebe viele Jugendliche, die spirituell auf der Suche seien, so der Papst weiter.Dies ewürden aber häufig ein "Opfer der Mondanität" (Weltlichkeit), in der es um Erfolg zu jedem Preis sowie um das schnelle Geld und den schnellen Genuss gehe. Ordensleute sollten diesen jungen Menschen zur Seite stehen und versuchen, sie mit der Freude des Evangeliums anzustecken.
Liste der Dinge, die dem Ordensleben helfen
Als weiteres Motiv nannte Franziskus Missstände in den Ordensgemeinschaften selbst. Dort gebe es neben viel Heiligkeit auch entgegengesetzte Zeugnisse, die ein Leben in Treue schwierig machten. Dazu zählten Routine, Müdigkeit, innere Spaltungen und ein Übermaß an Verwaltung. Ordensobere verfielen zudem biweilen in einen autoritären Leitungsstil oder das entgegengesetzte Extrem eines "Laisser-faire".
Wenn das Ordensleben seine prophetische Mission und seine Faszination bewahren wolle, müsse es sich auf die Person Christi konzentrieren, betonte Franziskus. Er legte auch eine Liste der Dinge vor, die beim Gemeinschaftsleben helfen: Nötig seien auch das gemeinsame Gebet, meditierende Bibellektüre, eine geschwisterliche Zurechtweisung und Barmherzigkeit. (luk/KNA)