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Iggensbacher reparieren Ratzinger-Marterl von Handlab

Freude bei Benedikt XVI.: Das Wegkreuz seiner Familie steht wieder

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Renovierung des Ratzinger-Kreuzes mit schwerem Gerät.
Iggensbach - Große Freude in Iggensbach: ein Brief vom emeritierten Papst Benedikt XVI.! Nach einem Sturm reparierte der Bürgermeister das Wegkreuz der Familie und informierte den Papst darüber – doch stimmt die Geschichte des Ratzinger-Kreuzes wirklich?

Solche Briefe kommen selten im Rathaus an – direkt aus dem Vatikan. So schlicht der Briefbogen – "Benedictus XVI Papa emeritus", kein Wappen, kein Siegel –, so herzlich die Nachricht des emeritierten Papstes an Wolfgang Haider, den Bürgermeister der niederbayrischen Gemeinde Iggensbach, und den Künstler Alois Liebwein: Er bedankt sich sehr bei den beiden über den großartigen gemeinsamen Brief. "Ich finde es sehr wichtig und schön, wie bei Ihnen die Verehrung des heiligen Kreuzes hochgehalten wird", lobt Benedikt die Iggensbacher.

Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. an den Bürgermeister von Iggensbach

Über die Apostolische Nuntiatur hatte der Bürgermeister nicht einmal einen Monat zuvor ein Schreiben an den Emeritus schicken lassen, um ihm von der Reparatur des Wegkreuzes am alten Handlaber Kirchenweg von Iggensbach zur Wallfahrtskirche Handlab im gleichnamigen Iggensbacher Ortsteil zu berichten. Das Kreuz aus dem Jahr 1862 war im Februar durch heftigen Wind fast ganz zerstört worden: Eine Tanne stürzte um und hob das Kreuz vom Sockel. "Die rechte Hand vom gekreuzigten Jesus wurde abgeschlagen (das 'Handl' war ab)", beschreibt Liebwein, wie er den Schaden zum ersten Mal inspizierte. "Mein inneres Gefühl gab mir die Kraft, das Kreuz muss erhalten bleiben, da schon aus alter Zeit viele Menschen, die nach Handlab pilgerten, bestimmt vor dem Kreuz innehielten", war sich der Künstler und Restaurator sofort sicher.

Renovierung des Ratzinger-Kreuzes mit schwerem Gerät.
Künstler Alois Liebwein, Bürgermeister Wolfgang Haider, und Bauhofleiter Wagenpfeil (v.l.n.r.) reparieren das bei einem Sturm umgestürzte Wegkreuz.

Dass dem Kruzifix das "Handl ab"-fiel, dürfte noch eine weitere Bestätigung gewesen sein: Der Wallfahrtsort Handlab trägt der Heiligenlegende nach seinen Namen, weil ein eifersüchtiger Burgherr seiner zur Unrecht des Ehebruchs bezichtigten Ehefrau wütend die Hand abgeschlagen hatte – und zwar vor einer Martersäule der heiligen Gottesmutter Maria und der heiligen Corona. Als die unschuldige Ehefrau sich mit den Worten "Maria, Handl ab!" bei der Gottesmutter beschwerte, sei ihr die Hand gleich wieder angewachsen, was auch ihren Ehemann umstimmte. Noch heute erinnert die Wallfahrtskirche Maria Krönung daran.

Die Handlaber und die Ratzingers

Nur: Was hat das Marterl auf dem Weg von Iggensbach nach Handlab mit dem emeritierten Papst in Rom zu tun? Als Präfekt der Glaubenskongregation war Joseph Ratzinger zwar schon einmal als Festprediger zum Frauentag anlässlich des 350-jährigen Jubiläums in der Wallfahrtskirche gewesen. "Glauben bedeutet, dass wir Gott Raum geben in der Welt und in uns selbst", hatte er damals gesagt. Auf dem Weg dorthin hat er aber wohl nicht den Waldweg genommen, sonst wäre er an dem Kreuz vorbeigekommen – und jemand hätte ihm damals schon erzählt, warum es "Ratzinger-Kreuz" genannt wird: Aufgestellt wurde es, so erzählt der Bürgermeister, von Benedikts Urgroßeltern. "Ich hatte von dem durch meine Urgroßeltern errichteten Kreuz bisher noch nichts gehört und daher um so tiefer von der dramatischen Geschichte berührt, die Sie mir im Brief erzählen", schreibt der emeritierte Papst.

Bürgermeister Wolfgang Haider bei der Reparatur des Wegkreuzes
Bürgermeister Wolfgang Haider hilft selbst tatkräftig mit, das Wegkreuz wieder aufzustellen. "Gelobt sei Jesus Christus. Errichtet von Anton und Maria Ratzinger" steht auf der Tafel.

Viele Informationen gibt es über das Kreuz nicht, das auch im Werksverzeichnis des Ratzinger-Schülerkreises bei der Handlaber Predigt kurz ohne weitere Informationen erwähnt wird. 1862 soll es laut Aufschrift des Sockels errichtet worden sein, eine Plakette nennt die Namen Maria und Anton Ratzinger. Seltsam nur: In den öffentlich verfügbaren Stammbäumen finden sich zwar Urgroßeltern von Joseph Ratzinger, die Anton und Elisabeth Maria heißen, allerdings in der mütterlichen Linie mit dem Namen Peintner und aus Tirol. Seine Urgroßeltern väterlicherseits scheinen Johann Georg und Barbara zu heißen. Möglich ist, dass das Kreuz tatsächlich vom Onkel des emeritierten Papstes errichtet wurde: Anton Ratzinger war mit einer Maria verheiratet und lebte in Rickering, ganz in der Nähe von Iggensbach. Die beiden sind aber nach 1880 geboren – entweder das Kreuz ist jünger, oder sie haben es bestenfalls neu errichtet oder renoviert.

Solange das heilige Kreuz in Ihrer Mitte steht und solange die Muttergottes mit ihrem Kind (von Handlab) geliebt wird, solange kann auch Ihrer Gemeinde nichts letztlich Zerstörerisches widerfahren.

Papst em. Benedikt XVI.

Sicher ist aber die Verbindung der Ratzingers mit Handlab. Nicht nur Joseph Ratzinger junior, der spätere Papst, hat als Kardinal dort gepredigt. Schon sein Vater Joseph senior pilgerte häufig nach Handlab, berichtet Peter Seewald in seiner neuen Ratzinger-Biographie. Im Wallfahrtsbuch der Pilgerkirche findet sich ein Eintrag von ihm, in dem er die gelungene Renovierung lobt: "Es würde zu weit führen, wollte ich diese Renovierung im Einzelnen besprechen, das eine muss ich noch bemerken, dass das Gesamte in ihrer Vielfalt eine Einheit in einer tief religiösen Weise darstellt, zu einem 'Sursum corda' (“Erhebet die Herzen”)."

Das Handl ist wieder dran

Unabhängig von der tatsächlichen Geschichte: Die Iggensbacher kümmern sich um ihr Ratzinger-Kreuz. Man ist der Familie verbunden: Der Künstler Liebwein hat Kontakte mit der Familie des emeritierten Papstes: "sogar meine Mutter war mit Ihrer Großtante befreundet", schreibt er – Ehrensache, dass er sich des zerstörten Kreuzes annehmen würde. Mit 83 nicht mehr der jüngste, so sagt er selbst, bat er den Bürgermeister um Hilfe. Auch der zögerte nicht und setzte seine Leute darauf an: "Bauhofleiter Wagenpfeil rückte mit schwerem Gerät an", Bürgermeister Haider legte selbst Hand an, das Kreuz wurde repariert, von Liebwein restauriert und an seiner alten Stelle wieder errichtet – "damit es den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt".

Das fertig renovierte Ratzinger-Kreuz
So sieht das Kreuz fertig renoviert aus – als wäre der Sturm nie durch den Wald gefegt.

Die Idee zum Brief an Benedikt hatte dann der Bürgermeister. Am Telefon freut Haider sich sehr, dem emeritierten Papst mit der Nachricht über die bisher unbekannte Familiengeschichte und die Restaurierung eine Freude gemacht zu haben – und über den Segen für seine Stadt: "Solange das heilige Kreuz in Ihrer Mitte steht und solange die Muttergottes mit ihrem Kind (von Handlab) geliebt wird, solange kann auch Ihrer Gemeinde nichts letztlich Zerstörerisches widerfahren", schreibt Benedikt XVI. dem Ersten Bürgermeister. Und noch etwas freut den Bürgermeister: Auch das Handl ist wieder am Jesus dran – mit einem Metallsuchgerät wurde es aus den Trümmern geborgen..

Korrektur, 22. Juni 2020: In der ersten Fassung des Textes war zu lesen, dass der Bürgermeister selbst das Handl aus den Trümmern gerettet hat. Tatsächlich war es ein Mitarbeiter.

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