Gegen Reichtum und Routine
In einer Welt, in der so viele Übel durch Reichtum erzeugt würden, müssten Geistliche das Vorbild der Armut glaubwürdig vorleben, so das Kirchenoberhaupt. "Es tut mir weh, wenn ich einen Priester oder eine Nonne in einem nagelneuen Auto sehe. So etwas geht nicht", betonte Franziskus.
Die Kirche soll nach den Worten des Papstes zudem stärker auf die Menschen zugehen. "Ich will eine Kirche, die missionarischer ist. Ich will keine leise Kirche", rief er den jungen Leuten zu und ermutigte sie, auf ihrem Lebensweg engagiert das Evangelium zu verkünden. "Bleibt authentisch, mutig und konsequent", sagte Franziskus am Samstagabend den Gästen in der vatikanischen Audienzhalle.
Franziskus: Auch ich bin ein Sünder
Christen könnten Jesus auf zwei Arten begegnen: nach innen durch das Gebet und nach außen durch die Verbreitung seiner Botschaft unter den Menschen. "Beides gehört zusammen", betonte der Papst. Ein Leben für den Glauben gründe ebenso auf dessen Studium wie auf dem Leben in einer brüderlichen Gemeinschaft. "Redet niemals schlecht über andere", mahnte er. Bei Konflikten mit Mitgeistlichen sollten sie die Vermittlung durch den Bischof oder Prior suchen. Zum Schluss seiner immer wieder von lautem Applaus unterbrochenen Rede bat er die Anwesenden, für ihn zu beten. Auch er selbst sei nur ein Sünder.
Bei einer Messe im Petersdom wies Franziskus am Sonntagmorgen außerdem auf die Gefahren zu großer Routine im kirchlichen Dienst hin: "Die Gefahr des zu großen Vertrauens auf die Strukturen lauert uns immer auf", sagte der Papst. Die Kirche sei nicht Eigentum der Menschen, sondern sie gehöre Gott, zitierte Franziskus seinen Vorgänger Benedikt XVI. "Ohne die ständige Beziehung zu Gott wird die Sendung zum Geschäft."
Er dankte den jungen Leuten aus mehr als 60 Ländern für ihre Entscheidung, den christlichen Glauben als Priester und Ordensleute in die Welt zu tragen. "Ihr steht für die Jugend der Kirche", so Franziskus. "Jeder Christ und vor allem wir sind gerufen, diese Botschaft der Hoffnung zu bringen, die Unbeschwertheit und Freude schenkt."
"Die Verbindung mit Gott suchen"
Auch inmitten der dringenden Verpflichtungen des Alltags sollten die Männer und Frauen im Dienst für die Kirche durch ihre Gebete immer die Verbindung mit Gott suchen. Dieser Dienst verlange von den Menschen, anspruchslos zu sein. "Jesus sendet die Seinen ohne 'Geldbeutel, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe' aus", sagte Franziskus mit einem Zitat des Lukas-Evangeliums.
Die Messe im Petersdom stand am Ende des viertägigen Treffens der Seminaristen, Novizinnen und Novizen aus mehr als 60 Ländern. Die Begegnung im Rahmen des "Jahres des Glaubens" stand unter dem Motto "Ich vertraue mich dir an". Auf dem Programm des Treffens standen unter anderem Gebetstreffen und Katechesen. (stz/KNA)