"Gemeinsam um Vergebung bitten"
Franziskus erinnerte daran, dass seit 50 Jahren theologische Gespräche zwischen Katholiken und Lutheranern geführt werden. Im gemeinsamen Dialog müssten sich beide Seiten mit den historischen Fakten der Reformation, deren Konsequenzen und den Antworten, die damals gegeben wurden, auseinandersetzen, so der Papst. "Gemeinsam können wir uns darüber freuen, dass wir wieder den Wunsch haben, eine Einheit zu erreichen", zitiert ihn Radio Vatikan.
Die größten Schwierigkeiten gebe es derzeit vor allem bei anthropologischen und ethischen Fragen, so Franziskus weiter. Man dürfe aber keine Angst haben, diese Fragen anzugehen.
Der Papst würdigte das Studiendokument einer bilateralen Kommission zum Reformationsgedenken 2017, das den Titel "Vom Konflikt zur Gemeinschaft. Gemeinsames lutherisch-katholisches Reformationsgedenken im Jahr 2017" trägt. Darin wird das 500-Jahr-Gedächtnis erstmals zu einem von Lutheranern und Katholiken gemeinsam begangenen Jubiläum erklärt. Das rund 90-seitige Dokument wurde im Juni vom LWB und dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen vorgestellt.
Papst betont Bedeutung der "spirituellen Ökumene"
Bei der Audienz überreichten auf evangelischer Seite der Präsident des LWB, Bischof Munib Younan, und Generalsekretär Martin Junge gemeinsam mit dem vatikanischen Ökumene-Beauftragten Kardinal Kurt Koch dem Papst den Text. Neben Vertretern des Weltbunds waren auch Mitglieder der katholisch-lutherischen Gesprächskommission anwesend.
Ihnen sagte Franziskus, dass eine "spirituelle Ökumene" der Kern des gemeinsamen Weges zum Erreichen der vollen Einheit sei. "Wenn wir uns mit bescheidenem Geist unserem Herrn annähern, können wir sicher sein, dass wir auch uns gegenseitig annähern werden und wenn wir den Herrn dazu um Hilfe bitten, dann können wir ebenfalls sicher sein, dass er uns zur Einheit führen wird."
Katholiken und Lutheraner müssten trotz Schwierigkeiten ihren Dialog fortsetzen, betonte Franziskus. In diesem Dialog sah der Papst Fortschritte. Dazu gehörten theologische Fachgespräche, aber auch die "brüderliche Zusammenarbeit auf vielen pastoralen Gebieten". Zugleich warb der Papst um Geduld und gegenseitiges Verständnis. Christen müssten den Dialog ohne unnötige Angst führen, so Franziskus. Die Kircheneinheit sei nicht zuerst das Ergebnis eigener Bemühungen, sondern ein Handeln des Heiligen Geistes. (luk/KNA)