Im Einklang mit der Lehre
Männer und Frauen lebten in "vollkommen getrennten Welten", so der Kardinal weiter. Die Orden müssten einen Weg finden, damit sich Frauen und Männer im Einklang mit der kirchlichen Lehre gegenseitig "in die Augen schauen" könnten.
Zugleich sprach sich Braz de Aviz für eine offenere Auseinandersetzung mit Körperlichkeit und Sexualität aus. Ordensmänner müssten lernen, zu ihrem Körper ein "richtiges, normales" Verhältnis zu entwickeln und gleichzeitig die traditionellen kirchlichen Werte beherzigen.
Das Evangelium muss an erster Stelle stehen
In dem Interview berichtete Joao Braz de Aviz auch über neue wirtschaftliche Richtlinien für Orden. So sollen katholische Ordensgemeinschaften Immobilien und weitere Vermögenswerte nach dem Willen des Vatikans künftig stärker für soziale und geistliche Zwecke verwenden. Die Richtlinien würden in den kommenden Tagen veröffentlicht, kündigte der Präfekt der Ordenskongregation an.
Derzeit stehe das Evangelium in der Güterverwaltung der Orden vielfach nur an zweiter Stelle, kritisierte der Kardinal. Ordensleute dürften sich jedoch nicht der vorherrschenden kapitalistischen Kultur anpassen; maßgeblich müsse für sie das Evangelium sein. "In diesem Sinne muss sich unsere Mentalität stark verändern", forderte er.
Papst Franziskus hat mehr Transparenz gefordert
Zu diesem Zweck hatte die Kongregation bereits im März auf Anraten des Papstes in der römischen Franziskaner-Universität "Antonianum" zu einer Expertentagung über den Umgang der Orden mit ihrem materiellen Besitz eingeladen. Daran hatten 600 Wirtschafts-, Finanz- und Organisationsfachleute teilgenommen. Das neue Dokument geht auf deren Anregung zurück.
In einer eigenen Botschaft an die Konferenz hatte Papst Franziskus die katholischen Ordensgemeinschaften zu mehr Transparenz in Finanz- und Verwaltungsangelegenheiten aufgerufen. Das gelte umso mehr, als sie auch heute noch in den Augen von Kirche und Welt "Vorposten" im Einsatz für die Armen und im Kampf gegen materielle, moralische und geistigen Nöte seien. Sie müssten darauf achten, dass die Güter und der Besitz ihrer Einrichtungen mit Sorgfalt und Transparenz verwaltet, geschützt und bewahrt würden, mahnte der Papst. Zur charismatisch geistigen Dimension der religiösen Gemeinschaften müssten daher auch Wirtschaftlichkeit und Effizienz hinzukommen. Eine Vergeudung dieser Güter dürfe nicht toleriert werden, vielmehr müssten die Ressourcen gut genutzt werden. (som/KNA)