Kinder Gottes
Das sei nicht einfach in einer Gesellschaft, die den christlichen Glauben oft als unmodern und unzeitgemäß betrachte.
Unter dem "Jüngsten Gericht" Michelangelos und den Fresken weiterer Renaissancekünstler nahm Benedikt XVI. die Täuflinge - elf Mädchen und neun Jungen, darunter ein Zwillingspaar - in die katholische Kirche auf. Einzeln traten die Eltern, zumeist Vatikanangestellte, mit dem Säugling vor den Papst. Der segnete sie mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn und übergoss den Kopf mit geweihtem Wasser. Zwei Bischöfe salbten die Neugeborenen mit Heiligem Öl und legten ihnen ein weißes Gewand auf. Unterdessen konnte auch kontinuierliche Orgeluntermalung den Geräuschpegel durch Babygeschrei in der Sixtina nicht überspielen.
Für immer mit Christus verbunden
Durch das Taufsakrament würden die Kinder für immer mit Christus verbunden und als Mitglieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen, sagte der Papst. Jesus, der selbst Mensch wurde, sei solidarisch mit den Menschen in ihrer Schwäche und Zerbrechlichkeit. Er führe sie zur Umkehr und zur Abwendung vom Egoismus.
Es sei heute nicht einfach, Kinder zum Glauben zu erziehen, führte Benedikt XVI. aus. Es herrsche eine Mentalität vor, in der auch Christen ihren Glauben und ihre Beziehung zu Christus als einengend verstünden, als hinderlich für die persönliche Verwirklichung. "Aber das ist nicht so! Diese Sicht zeigt, dass man nichts über die Beziehung zu Gott verstanden hat", betonte der Papst. Vielmehr äußere sich im Glaubensweg die "befreiende Kraft der Liebe Gottes". Sie führe den Menschen "aus Egoismus und Selbstbezogenheit heraus zu einem Leben in Gemeinschaft mit Gott und in Offenheit gegenüber den Mitmenschen".
Rückbesinnung auf die Taufe im "Jahr des Glaubens"
Am Mittag sprach Benedikt XVI. am liturgischen Fest der Taufe Christi ein Segensgebet für alle Neugeborenen. Bei seinem Angelusgebet auf dem Petersplatz rief er alle Gläubigen zur Rückbesinnung auf die eigene Taufe auf. Sie sei eine geistige Neugeburt gewesen und habe den Weg zum Ewigen Leben geöffnet. Gerade im "Jahr des Glaubens" sollten sich die Christen der Schönheit dieser Neugeburt bewusst werden, so der Papst: "Taufe bedeutet Neuschöpfung: Christus schenkt uns ein neues Menschsein." Somit seien die getauften Christen "Kinder Gottes und zugleich Brüder und Schwestern in der Gemeinschaft der Kirche".