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Eucharistie für Protestanten? Der Papst scheint dafür zu sein. Doch er lässt alles offen.

Kommunionales Manifest

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Hostie und Kelch
Bonn - Diese Woche beschäftigt sich die Vatikan-Kolumne "Franz & Friends" mit dem Besuch des Papstes bei den Lutheranern. Dort äußerte er sich zum gemeinsamen Abendmahl: Franziskus scheint dafür zu sein, doch lässt er am Ende alles offen.

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Mischehe. Seit geraumer Zeit schon interpretieren nichtoffizielle Texte das Gespenst als Elfe. Sie nennen es "konfessionsverbindend", wenn ein Katholik und eine Protestantin sich zum gemeinsamen Leben entschließen. Doch die katholische Kirche fürchtet das Gespenst wie ehedem. Sie bietet den Mischeheleuten keine ökumenische Trauung an und lässt sie auch nicht gemeinsam zur Kommunion kommen oder zum Abendmahl gehen. Am katholischen Tisch des Herrn sind konfessionsverbindende Paare eine irreguläre Situation. Viele Bischöfe dulden sie.

Doch jetzt hat der Papst gesprochen. Und ein Papst spricht Machtworte, denken Katholiken. Franziskus besuchte am Sonntag die lutherische Christuskirche in Rom. Das hat Tradition. Auch seine beiden Vorgänger waren schon da. Franz hatte sich alle protokollarischen Reden verbeten, um mit den Leuten sprechen zu können. Im Gegenzug ließ er sein sorgfältig austariertes Manuskript Manuskript sein und redete frei. Dabei sagte er, dass das konfessionelle Verbindungsmodell seinen Weg selber finden muss. Die Theologen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern – so ungefähr lautete seine Botschaft. So sprechen Revolutionäre. Die Protestantin Anke de Bernardinis, mit einem Katholiken verheiratet, hatte ihn gefragt, was man gegen die konfessionelle Trennung unternehmen kann.

Franziskus holte in seinem nuscheligen, melancholischen Italienisch aus. Das Leben sei größer als die Interpretationen der Theologen, sagte er. Aber die Antwort falle ihm schwer, vor Theologen wie dem früheren Ökumenekardinal Walter Kasper. Der war mitgekommen und lächelte milde. Sein Nachfolger Kurt Kardinal Koch lächelte auch, mehr oder weniger, lang aufgeschossen, mit krummem Rücken wie ein Marabu. "Bezieht euch immer auf die Taufe und zieht daraus die Konsequenzen", sagte Franz. "Sprecht mit dem Herrn und geht weiter." Aber vorher hatte er erklärt: "Ich werde nie wagen, das zu erlauben, denn das liegt nicht in meiner Kompetenz." Der Papst verweigert Machtworte. Müssen jetzt deutsche Bischöfe den Durchmarsch konfessionsverbindender Paare an den Altar fürchten? Wahrscheinlich werden die meisten ihn dulden, so wie bisher auch.

Christ & Welt

Diesen Text der Kolumne "Franz & Friends" publiziert katholisch.de mit freundlicher Genehmigung von "Christ & Welt", einer Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit". "Christ & Welt" - das sind sechs Seiten, die sich auf Glaube, Geist und Gesellschaft konzentrieren, sechs Seiten mit Debatten, Reportagen und Interviews aus der Welt der Religionen. "Christ & Welt" ist im Jahr 2010 aus der traditionsreichen Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" hervorgegangen.

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