Suche

Kommunizieren, nicht predigen!

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Bruder Paulus ist Kapuzinermönch und Priester. Er tritt häufig in den Medien auf.
Bonn - Am Mittwoch war es soweit: Papst Benedikt XVI. setzte seinen lange erwarteten ersten Tweet ab: "Liebe Freunde! Gerne verbinde ich mich mit euch über Twitter. Danke für die netten Antworten. Von Herzen segne ich euch." Die Worte Benedikt XVI. über den Kurznachrichtendienst fanden viel Resonanz - nicht nur im positiven Sinn. Auch Bruder Paulus Terwitte, der selbst auf Twitter aktiv ist, sieht das neue Engagement des Kirchenoberhaupts kritisch.

Frage: Wie finden Sie es, dass der Papst twittert?

Bruder Paulus: Ich finde es gut, dass die neuen Medien jetzt auch von der Amtskirche akzeptiert werden. Dafür, dass der Vatikan als einer der ersten kirchlichen Player eine Homepage hatte, kommt die Twitter-Offensive jetzt aber etwas spät. Die Frage ist auch, ob der Papst die vielen Fragen, die an ihn gestellt werden, beantwortet. Davon ist nicht auszugehen. Und dann kann man es eigentlich auch fast schon wieder lassen. Twitter ist nun einmal ein interaktives Medium.

Frage: Wie glaubwürdig ist ein twitternder Benedikt XVI.?

Bruder Paulus: Tweets sind ja eigentlich etwas Spontanes. Das sind Situationsbeschreibungen, die kommen aus dem Herzen. Das kann man bei dem Twitter-Account des Papstes aber wohl nicht erwarten. Der wird ja wohl nicht von ihm als Person, sondern eher von der Vatikan-Verwaltung bestückt. Wenn der Papst als Mensch twittern würde, dann wäre das gut. Wenn er es als Amtsträger macht, dann frage ich mich aber schon – wofür?

Frage: Ist das nicht eine gute Möglichkeit, um auch junge Leute in "ihrem Medium" zu erreichen?

Bruder Paulus: Grundsätzlich schon. Aber die jungen Leute erwarten viel eher einen hörenden Papst als einen sprechenden. Kommunikation ist eben etwas anderes als predigen. Ich kann jedenfalls ein Lied davon singen, wie es ist, wenn man sich der Botschaft Jesu dem Maintsream stellt.

Frage: Können Sie das Argument nachvollziehen, die 140 Zeichen eines Tweets eigneten sich nicht dazu, die christliche Botschaft zu verbreiten?

Bruder Paulus: Nein. Der Papst hat ja die Aufgabe, das Wort Gottes in die Welt zu bringen, und dazu sollte er alle Kanäle nutzen. Es geht aber schon darum, was er verbreitet und wie er das verbreitet. Je herzlicher und engagierter das passiert, desto besser ist das. Ich will aber nicht die nächste Enzyklika heruntergebrochen auf 140 Zeichen auf Twitter lesen. Lieber wäre mir die Nachricht, dass der Papst nach einem langen Arbeitstag müde ist und sich auf eine halbe Stunde Klavierspiel freut. Soweit ich sehe, wird das wohl nicht kommen. Außerdem gefällt mir auch in diesem Fall die Papst-Zentrierung nicht.

Frage: Was meinen Sie damit?

Bruder Paulus: Es sollte nicht vergessen werden, dass der Heilige Geist das zentrale Moment in der Kirche ist. Der Heilige Vater als Bischof von Rom ist zwar Oberhaupt der katholischen Kirche. Aber nicht, um nun in 140 Zeichen irgendwelche Botschaften zu senden. Mir wäre es lieber, wenn ein Bischof hier im Land twittert, wie es Erzbischof Schick jetzt mal probiert. Ansonsten: Lasst doch dem Volk Gottes an der Basis auch noch seine Möglichkeiten, die Welt zu heiligen. Die Laien sind die ersten Verkünderinnen und Verkünder des Evangeliums an die Welt – gern auch per Twitter. Die jungen Mitglieder des Katholischen Pressebundes machen das mit Freude.

Das Interview führte Gabriele Höfling

Zur Person

Br. Paulus Terwitte (53) ist Kapuziner und katholischer Priester. Seit 2010 ist er Vorsitzender des Kaholischen Pressebundes, eines Verbandes von über 500 aktiven Laien, die das Medienengagement von katholischen Laien in Kirche und Welt fördern.

Zur Person
kna-katholisch-swarm-node3 (0.015s)