Suche
Deutsche Bischöfe sprechen beim "Ständigen Rat" über Handreichung

Machtfragen und Kommunikationsschwächen

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Die Kardinäle Woelki und Marx
Köln/Frankfurt - In dieser Woche treffen sich die deutschen Bischöfe zu ihrem "Ständigen Rat". Im Fokus steht die Kommunion für evangelische Ehepartner. Die Äußerungen im Vorfeld zeigen, dass eine schnelle Einigung wohl nicht in Sicht ist.

Am Montag und Dienstag diskutieren Deutschlands Bischöfe erneut über den Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner. Beim turnusmäßigen Treffen des "Ständigen Rats" der Bischofskonferenz in Berlin beraten sie unter anderem über das weitere Vorgehen. Anders als bei der Vollversammlung, an der alle Diözesan- und Weihbischöfe teilnehmen – aktuell 66 –, ist im "Ständigen Rat" jedes der 27 Bistümer nur mit einer Stimme vertreten, in der Regel durch den Ortsbischof.

Bereits im Vorfeld des Treffens machten die Bischöfe noch einmal ihre unterschiedliche Positionen in der Diskussion deutlich. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige kündigte an, weiter dafür kämpfen zu wollen, dass nichtkatholische Ehepartner unter bestimmten Umständen zur Kommunion gehen dürfen. Im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag) betonte der Vorsitzende der Ökumene-Kommission, die Mehrheit der deutschen Bischöfe habe bei ihrer noch nicht veröffentlichten Handreichung den Papst nur beim Wort genommen. Dieser habe immer wieder zu Gewissensentscheidungen ermuntert. Warum Franziskus nun den Text nun als "nicht veröffentlichungsreif" bezeichnet habe, verstehe er nicht, so Feige.

Feige: Unterschiedliche Kirchenbilder

Unverständnis äußerte er auch für die Kritiker der Handreichung. Deren Ablehnung habe auch mit unterschiedlichen Kirchenbildern und "auch mit Macht zu tun". Einige wollten "um jeden Preis ein System aufrechterhalten, in dem das Lehramt beziehungsweise die Bischöfe die Regeln aufstellen", so der Magdeburger Bischof weiter. Abweichungen würden entweder geduldet, solange sie das System nicht in Frage stellen, oder sollten als Gnadenakt wahrgenommen werden: "Wir hingegen setzen letztlich auf einen geistlichen Weg und die Gewissensentscheidung des Einzelnen. Da wird Macht abgegeben. Das wollen wohl manche nicht, vielleicht, weil sie einem vorkonziliaren Kirchenbild verhaftet sind."

Wenn hier schon "das kleinste bisschen verhindert werden soll, dann stellen sich schon grundsätzliche Fragen", ergänzte Feige: "Welchen Sinn sollen Regeln haben, die nicht mehr verstanden und erst recht nicht mehr akzeptiert werden? Mit Verboten ist nichts mehr zu holen." Der Ökumene-Bischof betonte darüber hinaus, die geplanten Ausnahmeregelungen seien alles andere als ein unüberlegter Schnellschuss gewesen. Man habe "intensiv diskutiert und mehrere theologische und kirchenrechtliche Gutachten eingeholt". Außerdem bewege man sich eindeutig im Rahmen des theologisch und kirchenrechtlich möglichen.

Bischof Gerhard Feige ist Vorsitzender der Ökumene-Koommission der deutschen Bischöfe. Er will weiter für die Handreichung zur Teilnahme evangelischer Ehepartner an der Kommunion kämpfen.

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff wird wohl selbst nicht am Treffen des "Ständigen Rats" teilnehmen, lobte im Gespräch mit der "Kölnischen/Bonner Rundschau (Montag) aber die "klare Position" des Papstes in der Debatte um den Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner. Dafür könne man Franziskus "sehr dankbar" sein.

Mit Blick auf die Beratungen der Bischöfe betonte er weiter: "Bei diesem Kernthema unseres Glaubens dürfen wir keine Ausnahmen zur Regel machen." Der Papst habe einheitliche kirchenrechtliche Vorgaben in Aussicht gestellt. Als konkreten Lösungsweg verwies er auf die Praxis, dass Nichtkatholiken bei der Kommunion nach vorne treten und statt der Hostie "den Segen Gottes" empfangen könnten.

Puff: Niemanden an der Kommunionbank zurückweisen

Puff sagte aber auch, es sei "ungeschriebenes Gesetz", niemanden an der Kommunionbank zurückzuweisen: "Schwierig wird es dort, wo diese Ausnahme als legitimes Recht festgeschrieben werden soll." Hier müssten die Seelsorger das Gespräch mit den Betroffenen suchen. Dem Entwurf der Handreichung zu der Frage habe er nicht zugestimmt, "weil ich sie für theologisch unausgereift halte", ergänzte der Bischof. Zugleich kritisierte er die öffentliche Darstellung der Debatte nach einem "Sieger-Verlierer-Schema".

Ähnlich hatte sich zuvor auch Woelki geäußert. "Es geht hier nicht darum, dass es am Ende einen Sieger gibt", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstag). "Es ist wichtig, dass alle Beteiligten am Montag an einem Tisch sitzen und über die eindeutige Antwort aus Rom miteinander sprechen. Die Bischöfe sind dann in der Pflicht, den Gläubigen das Wesen der Eucharistie ohne Missverständnisse näher zu bringen."

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff im Interview mit katholisch.de.
Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff hält die Handreichung für "theologisch unausgereift".

Die Bischofskonferenz hatte sich im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit auf eine bisher nicht veröffentlichte Handreichung geeinigt, wonach evangelische Ehepartner im Einzelfall die Kommunion empfangen können. Sieben Bischöfe unter der Federführung Kardinal Woelkis baten daraufhin den Vatikan um Klarstellung, ob eine solche Regelung von einer einzelnen Bischofskonferenz beschlossen werden kann. Nach Gesprächen Anfang Mai in Rom verwies der Vatikan den Konflikt zunächst an die Bischofskonferenz zurück. Anfang Juni wurde dann ein Brief der Glaubenskongregation bekannt, in dem es heißt, der Papst sei zu dem Schluss gekommen, "dass das Dokument nicht zur Veröffentlichung reif ist".

Am Donnerstag hatte Franziskus jedoch betont, der Brief sei "keine ökumenische Bremse". Die geplante Handreichung sei sogar restriktiver gewesen, als es das Kirchenrecht vorsehe, und habe keinesfalls die Kommunion für alle öffnen wollen. Er glaube, es werde "ein Dokument zur Orientierung geben, damit jeder Bischof in seinem Bistum das regeln kann, was das Kirchenrecht schon jetzt erlaubt".

Wurde dem Papst der Inhalt der Handreichung nicht richtig kommuniziert?

Der Münsteraner Theologe Michael Seewald führt den Verlauf des Kommunion-Streits auch auf Probleme beim Informationsfluss zwischen der Kirche in Deutschland und Papst Franziskus zurück. Zuletzt sei es den Befürwortern der Handreichung augenscheinlich wieder gelungen, dem Papst klarzumachen, "dass das Dokument keine allgemeine Freigabe des Kommunionempfangs beabsichtigt, sondern für Einzelfälle eine dogmatisch und pastoral verantwortete Lösung anbietet", sagte Seewald dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag) mit Blick auf die jüngsten Äußerungen von Franziskus. "Das müsste ja auch in seinem Sinne sein."

Der ganze Vorgang zeige, dass jemand, der eine so herausgehobene Stellung habe wie der Papst, umso mehr auf sachliche, unaufgeregte und unparteiische Informationen angewiesen sei, so Seewald: "Damit scheint es in diesem Pontifikat gelegentlich zu hapern. Das bringt den Papst dann in unangenehme Situationen." Ähnlich wie Feige sieht der Theologe in der aktuellen Debatte neben Sach- und Kompetenzfragen auch eine Machtfrage, in der es um Kontrolle und Kontrollverlust gehe: "Was bei dieser Problem-Mixtur herausgekommen ist, ist ein ziemlich explosives Gemisch."

Vor einem "pastoralen Flickenteppich" warnt dagegen der Kirchenrechtler Thomas Schüller. Nach den Äußerungen des Papstes, dem einzelnen Bischof die Entscheidung für den Kommunionempfang überlassen zu wollen, bleibe "für die liberaler Gesinnten viel Spielraum", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Eine Regelung mit Einzelfalllösungen von Bistum zu Bistum würde allerdings zu einer "absurden Situation" führen, "weil die ökumenische Ausgangslage mit den gemischt-konfessionellen Ehen doch überall sehr ähnlich ist". (mit Material von KNA)

kna-katholisch-swarm-node2 (0.016s)