Mehr als nur Kosmetik
Bei der konstituierenden Konferenz des aus acht Kardinälen bestehenden Beratergremiums standen somit Struktur und Arbeitsweise der Kurie auf dem Prüfstand. Zentrales Thema war zunächst das Staatssekretariat und seine Kooperation mit den anderen Vatikan-Behörden. An der Spitze des zentralen Sekretariats des Papstes steht in zehn Tagen ein Personalwechsel an: Auf Kardinal Tarcisio Bertone folgt Erzbischof Pietro Parolin, ein erfahrener Diplomat, mit dem der Papst seinen Reformprozess einleiten und umsetzen will. Vor dessen Amtsantritt wollte Franziskus die Meinung seiner Berater zu dieser zentralen Behörde hören.
Dabei sei auch die Funktion eines "Kurien-Moderators" zur Sprache gekommen, berichtete Lombardi. Dessen Aufgabe könnte es sein, für mehr Transparenz und eine bessere Verzahnung der verschiedenen, weitgehend eigenständigen Kurienbehörden zu sorgen. Allerdings könnte und sollte dies auch die Aufgabe des Kardinalstaatssekretärs sein, hört man im Vatikan. Lombardi ließ offen, ob es zu dieser Hypothese bereits ein Votum der acht Kardinäle gab.
Bedeutung der Laien
Weiter kam bei den Beratungen die Rolle der Laien im Vatikan zur Sprache, teilte der Sprecher mit. Es ging um den bestehenden Laienrat, aber generell auch um die Bedeutung der Laien im Vatikan. Bislang sind nur wenige Laien in Führungspositionen der einzelnen Ämter der römischen Kurie tätig, oder als stimmberechtigte Mitglieder berufen.
Am letzten Sitzungstag befasste sich der Kardinalsrat dann noch einmal mit der Bischofssynode. Bereits am Dienstag hatte das Gremium gemeinsam mit dem neuernannten Synoden-Sekretär Lorenzo Baldisseri über Kompetenzen und Arbeitsweise dieses kollegialen Instruments der Kirchenleitung beraten.
Das Thema wurde aus Aktualitätsgründen vorgezogen. Denn bereits in den kommenden Tagen muss der Papst das Thema für das Weltbischofstreffen 2015 festlegen - und damit den Startschuss für die Vorbereitungsarbeiten geben. Vermutlich dürfte es laut Lombardi inhaltlich um das weite Feld der Familienpastoral gehen.
Keine brennenden Bereiche
Zunächst hatte es geheißen, die acht Kardinäle könnten bereits jetzt mit dem Papst über dieses Thema sprechen, zu der auch die schwierige Frage der wiederverheirateten Geschiedenen gehört. Aber auch andere brennenden Bereiche wie etwa der Komplex der Vatikanfinanzen einschließlich der umstrittenen Vatikanbank IOR waren nicht Gegenstand der ersten Beratungsrunde. Der Papst wolle erst den Bericht der mit ihrer Überprüfung befassten Kommissionen abwarten, bevor er das Thema in den Kardinalsrat einbringe, hieß es dazu.
Mit der dreitägigen Konferenz im Vatikan hat Papst Franziskus die Arbeiten für eine neue Kurienreform eingeleitet. Die Teilnehmer hielten sich an die vereinbarte Vertraulichkeit. Somit sind außer den Hauptthemen weder Meinungen noch Trends nach außen gedrungen. Vermutlich zu Jahresbeginn, im Januar oder Februar 2014 will der Papst das Beratergremium erneut zur Vollversammlung zusammenrufen.
Von Johannes Schidelko (KNA)