Mehr Wertschöpfung – Vatikanbank veröffentlicht Nachhaltigkeitsbericht
Die Vatikanbank IOR hat zum zweiten Mal einen sogenannten Nachhaltigkeitsbericht über ihre Arbeit vorgelegt. Der am Dienstag im Netz veröffentlichte Bericht umfasst 100 Seiten und ist damit deutlich umfangreicher als der 2025 erstmals vorgelegte Bericht. Zugleich ist es das erste Rechenschaftspapier des Finanzinstituts unter der Ägide des neuen Luxemburger Aufsichtsratschefs Francois Pauly.
Der Report listet unter anderem die ethischen Prinzipien auf, nach denen die Vatikanbank investiert. Dazu zählen Lebensschutz ebenso wie die Bewahrung der Schöpfung, Achtung der Arbeiterrechte und andere Prinzipien der katholischen Soziallehre. Nach Selbstauskunft der Bank werden 100 Prozent der Investments gemäß diesen Kriterien getätigt.
Trotz dieser selbst auferlegten Einschränkungen konnte das IOR laut dem Bericht 2025 seine Wertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr von 50 Millionen auf 67,6 Millionen Euro steigern. Mehr als ein Drittel der Wertschöpfung (36 Prozent) wurden demnach an den Papst abgeführt. Der Nettogewinn nach Abzug der Gehälter und weiterer Kosten belief sich 2025 auf 51 Millionen Euro; 2024 waren es noch 32,8 Millionen. Die Gewinnsteigerung hatte die Bank bereits Mitte Mai mitgeteilt.
Weder Rüstungs- noch Alkohol-Aktien
Neben ethischen Prinzipien listet der Bericht auch Anlagesparten aus, in denen die Bank 2025 Kapital investierte. Der Löwenanteil (42,6 Prozent) wurde in Staatsanleihen angelegt, gefolgt von Anlagen im Bankensektor (23,5). Rund 12 Prozent der Anlagen wurden auf Konsumwerte, Technologie, Versicherungen und Kommunikation verteilt. Investitionen in Rüstungsunternehmen, Chemiekonzerne oder Alkoholika-Hersteller sind der Bank laut eigenen Maßstäben untersagt.
Besonderen Nachdruck legte das IOR im Berichtsjahr auf die Fortbildung von Mitarbeitern. Von 2.700 Fortbildungsstunden seien allein 300 Themen wie Compliance (Einhaltung von Regeln und Normen), aber auch religiöser Fortbildung gewidmet gewesen.
Der Bericht betont, es habe keine Fälle von Diskriminierung wegen Rasse, Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft gegeben. Zugehörigkeit zur katholischen Kirche sei ein Kriterium, um "Anstellungen in Kohärenz mit den grundlegenden Prinzipien und dem Auftrag des IOR" zu garantieren. Dabei handele es sich aber "nicht um ein Element von Diskriminierung". Im Nachhaltigkeitsbericht des Vorjahres hatte es noch keinen Hinweis dieser Art gegeben. (KNA)