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Volker Resing über das päpstliche Lehrschreiben "Amoris laetitia"

Nicht ängstlich auf Befehle warten

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Schachfigur
Bonn - Volker Resing über das päpstliche Lehrschreiben "Amoris laetitia"

Papst Franziskus überrascht die Gläubigen immer wieder. Aber vor allem ist sein Pontifikat von einer ungekannten Dynamik, eine permanente Aufforderung selbst zu handeln, im Geist des Evangeliums aktiv zu werden. Das übrigens lobt auch Benedikt XVI. in seinen aktuellen Äußerungen. Dieser franziskanische Imperativ muss aber in Deutschland noch ankommen, so scheint es. Lange haben manche Katholiken auf römische Reformen gewartet, jetzt ruft der Pontifex nicht die Revolution aus, aber er fordert dazu auf, im Glauben neu aufzubrechen, Dinge zu verändern, wenn es im Sinne der Botschaft ist. Nicht ängstlich auf Befehle warten, sondern mit Risiko vorangehen. Das ist apostolische Sendung, um mal ein altes Wort zu verwenden.

Das Lehrschreiben "Amoris Laetitia" ist gleichsam konkret wie allgemein eine Anleitung dazu. Während die Interpreten sich darüber streiten, ob nun eine Zulassung wiederverheiratetet Geschiedener zur Eucharistie durch den Papst gebilligt wird oder nicht, haben die argentinischen Bischöfe zu handeln begonnen. Eine Handreichung ermöglicht es in Einzelfällen, als pastorales Zeichen, die Zulassung zur Kommunion zu gewähren. Über ähnliche Anregungen wird in Deutschland seit Jahrzehnten gestritten. Der Papst hat nun in einem Brief die argentinische Auslegung gebilligt und – mehr noch  – erklärt, eine andere Interpretation von "Amoris Laetitia" könne es gar nicht geben.

Was passiert da? Muss der Papst sich selbst ausdeuten, weil er sich so unklar ausdrückt? Keinesfalls! Der Papst weiß, dass Veränderung von unten wachsen muss.  Er weiß um die zerstörerischen Kräfte, die Revolutionen inne wohnen können. Deswegen ist es falsch, die Veränderung zu diktieren, deswegen ist es falsch, in den festgefahrenen Debatten und verhärteten Fronten eine vermeintliche "Klarheit" zu schaffen. Vielmehr gilt es, die heilige Mutter Kirche zusammenzuhalten und die Gläubigen zum Handeln zu ermuntern. Mögen hierzulande die Signale erhört werden.

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