"O du fröhliche" wird kein Immaterielles Kulturerbe
Das Weihnachtslied "O du fröhliche" wird nicht in die Liste des bundesweiten Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Deutsche Unesco-Kommission (DUK) lehnten die Bewerbung des Johannes-Falk-Vereins für die Aufnahme des Liedes in das Verzeichnis ab, wie die in Weimar erscheinende Mitteldeutsche Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" in ihrer aktuellen Ausgabe (16. Dezember) berichtet.
Das populäre Weihnachtslied sei "Teil eines größeren Brauchkomplexes", hieß es demnach in der Begründung. Zudem seien in der Bewerbung die Beteiligung von Trägergruppen und die Darstellung von Erhaltungsmaßnahmen, Risikofaktoren und Weitergabe-Initiativen unzureichend ausgearbeitet.
Am Dienstag hatte die KMK verkündet, das deutsche Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes um 18 Neueinträge erweitern zu wollen. Dazu gehören etwa das Drechslerhandwerk, die Helgoländer Dampferbörte sowie das Augsburger Hohe Friedensfest. Die KMK traf ihre Entscheidung auf Empfehlung der DUK.
Popularität ist nicht gefährdet
Johannes-Falk-Vereins-Vorsitzender Paul Andreas Freyer sagte laut Zeitungsbericht, dass die Popularität des Weihnachtshits "O du fröhliche" durch diese Absage nicht gefährdet sei und trotzdem weltweit intoniert werde. Der Sozialreformer und Liederdichter von "O du fröhliche", Johannes Falk, (1768-1826) wäre in diesem Jahr 250 Jahre alt geworden.
Das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zeigt nach Angaben der DUK exemplarisch, welche lebendigen kulturellen Traditionen und Ausdrucksformen in Deutschland ausgeübt werden. Insgesamt seien bislang 97 Kulturformen aufgeführt.
Weltweit fördert die Weltkulturorganisation Unesco seit 2003 den Erhalt von Alltagskulturen und -traditionen - ergänzend zu den berühmten Welterbestätten. Das Verfahren für die Aufnahme in die Liste ist mehrstufig: Zunächst muss es eine Tradition ins nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes schaffen. Im nächsten Schritt können dann Vorschläge für die weltweite Unesco-Liste eingereicht werden.
Die Regensburger Domspatzen singen "O du fröhliche".
Unterdessen verriet Papst Franziskus, dass er das Weihnachtslied "Stille Nacht" besonders liebt, weil es das Geheimnis der Geburt Jesu auf besondere Weise zusammenfasse. "In seiner tiefen Schlichtheit lässt uns dieses Lied das Geschehen der Heiligen Nacht begreifen", sagte er bei seiner Generalaudienz am Mittwoch im Vatikan. "Jesus, der Retter, der in Bethlehem geboren wurde, offenbart uns die Liebe Gottes des Vaters. Ihm wollen wir unser ganzes Leben anvertrauen."
Das inzwischen weltweit verbreitete Weihnachtslied "Stille Nacht" erklang erstmals am Heiligen Abend vor 200 Jahren im österreichischen Oberndorf. Den Text hatte der Pfarrer Joseph Mohr (1792-1848) geschrieben, die Musik der Lehrer und Organist Franz Xaver Gruber (1787-1863).
Politiker singen Weihnachtslieder
Aus dem Jubiläumsanlass übergab eine Delegation österreichischer Abgeordneter dem Papst bei der Generalaudienz die Benefiz-CD "200 Jahre Stille Nacht, heilige Nacht - Ein Lied geht um die Welt". Darauf singen Politikerinnen und Politiker aller Parlamentsfraktionen Weihnachtslieder.
An der Begegnung mit Franziskus nahmen auch Österreichs Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Franziska Honsowitz-Friessnigg, und der Wiener Dommusiker Thomas Dolezal teil. Der Präsident der Salzburger Stille-Nacht-Gesellschaft, Michael Neureiter, schenkte dem Kirchenoberhaupt die englische Ausgabe eines neuen Buchs über die Entstehung von "Stille Nacht" und dessen weltweite Verbreitung. (tmg/KNA)