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Gut gemeint: Franziskus vergleicht orthodoxe Christen mit Säuglingen

Oh, Baby!

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Bonn - Sind die Würdenträger der Orthodoxie wie krabbelnde Babys? In der Vatikan-Kolumne "Franz & Friends" geht es in dieser Woche um die offene Art des Papstes, die nicht immer gut ankommt.

Mal ist Europa eine "vertrocknete Großmutter" – zum Verdruss von Angela Merkel und vielen Großmüttern dieser Welt. Beim nächsten Mal darf es auch schon mal Streit geben wie bei Eheleuten, bei denen die Teller fliegen – solange man sich abends wieder versöhnt. Diesmal, auf dem Rückweg von Armenien, kamen die Babys dran.

Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn

Eigentlich wollte Franziskus die orthodoxe Kirchenfamilie loben; das orthodoxe Konzil, das bis Sonntag auf Kreta tagte. Er würdigte die Versammlung, die seit über 50 Jahren vorbereitet worden war, als einen "Schritt nach vorn". Allein die Tatsache, dass sich die Vertreter von zehn der 14 eigenständigen orthodoxen National- und Regionalkirchen versammelt hätten, um sich von "Angesicht zu Angesicht zu sehen, zusammen zu beten und zu reden und vielleicht manche witzige Bemerkung zu machen", sei schon sehr positiv. Die noch bestehenden Uneinigkeiten könnten im Lauf der Zeit ausgeräumt werden.

So spricht Franziskus, so denkt er: Sich treffen, sich begegnen, miteinander reden – dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. So macht er es mit den Castros auf Kuba. Mit den Piusbrüdern. Mit dem Moskauer Patriarchen, den immerhin noch nie ein Papst zuvor getroffen hat. Aber auch so spricht Franziskus: Er lässt es nicht stehen, sondern greift zu einem Bild. Der "Schritt nach vorn" sei zwar "nicht hundertprozentig", aber immerhin. Es sei wie bei Babys, die erst krabbeln, so gut es eben geht, und dann erste richtige Schritte folgen lassen. Hübsch gesagt, wenn man bedenkt, dass vier wichtige Nationalkirchen dem orthodoxen Konzil ganz kurzfristig fernblieben – darunter mit der russischen die weitaus mächtigste von allen; dass dort Papiere abgestimmt wurden, die maximal den gesellschaftlichen Diskurs der Sechzigerjahre wiedergeben. Hübsch gesagt also – aber keineswegs zu Ende gedacht. Die würdigen alten Bartträger der Orthodoxie mit krabbelnden Babys zu vergleichen kann nicht gut ankommen.

Die Orthodoxie versteht sich als die "rechtgläubige", die ursprüngliche Kirche Christi. Und das römische Papstamt ist und sein Primatsanspruch bleibt der größte Stolperstein aller Ökumene-Bestrebungen. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. verzichtete 2006 auf den seit über 1400 Jahre geführten Titel eines "Patriarchen des Abendlandes", um Bewegung in die verfahrene Debatte zu bringen.

Wie ein Dorfpfarrer aus Lateinamerika

Wie hört es sich dann an, wenn der Petrusnachfolger Franziskus von krabbelnden Babys redet? Franziskus spricht stets wie ein Dorfpfarrer aus Lateinamerika. Ein Seelsorger, der mitten im Leben steht. Mit Stallgeruch, wie er ihn von allen Priestern der Weltkirche fordert. Großmütter, fliegende Tassen und krabbelnde Babys sind seine Lebenswelt.

Franziskus und der Vater des Panorthodoxen Konzils, Bartholomaios I. von Konstantinopel, sind Freunde. Die Freundschaft der beiden muss jetzt einen ungewollt arrogant klingenden Baby-Spruch aushalten.

Christ & Welt

Diesen Text der Kolumne "Franz & Friends" publiziert katholisch.de mit freundlicher Genehmigung von "Christ & Welt", einer Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit". "Christ & Welt" - das sind sechs Seiten, die sich auf Glaube, Geist und Gesellschaft konzentrieren, sechs Seiten mit Debatten, Reportagen und Interviews aus der Welt der Religionen. "Christ & Welt" ist im Jahr 2010 aus der traditionsreichen Wochenzeitung "Rheinischer Merkur" hervorgegangen.

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