Papst gegen Doppelmoral bei Kirchenführern
Papst Franziskus hat Doppelmoral auch bei Kirchenführern beklagt. Ein "häufiger Defekt" bei staatlichen wie auch kirchlichen Amtsträgern sei, an andere Forderungen zu stellen, die man selbst nicht erfülle, sagte der Papst beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz. Die Stärke der Autorität liege vor allem im guten Beispiel. Schlecht ausgeübte Amtsgewalt werde hingegen bevormundend, lasse die Menschen nicht wachsen und erzeuge Misstrauen, Feindseligkeit und Korruption.
Der Papst bezog sich auf das Sonntagsevangelium, in dem Jesus mit den Schriftgelehrten und Pharisäern hart ins Gericht geht: "Sie schnüren schwere und unerträgliche Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, selber aber wollen sie keinen Finger rühren, um die Lasten zu bewegen" (Mt 23,4). Das, so der Papst, "ist eine schlechte Ausübung von Autorität". Stattdessen müsse man mit gutem Beispiel vorangehen, "um den anderen zu helfen, das Gute und das Gebotene zu tun, und sie in den Prüfungen zu unterstützen, die sie auf dem Weg des Guten finden".
Franziskus stellte außerdem fest, dass die Versuchung zu Standesdünkel und Titelsucht "nicht immer leicht zu überwinden" sei. Er bedauere Menschen, die ihr Leben damit zubrächten, "hinter der Eitelkeit der Ehrungen herzulaufen". "Mir persönlich tut das weh", so der Papst. Christen dürften nicht nach Ehrentiteln, Amts- oder Vorrangstellungen streben. "Bescheidenheit ist wesentlich für ein Leben gemäß der Lehre Jesu", der nicht gekommen sei um sich bedienen zu lassen. (bod/KNA)