"Papst löst Blockaden"
Vielmehr wolle Franziskus mit dem, was er sage und tue, "wirklich zur Substanz vorstoßen, zur lebendigen Begegnung mit Jesus Christus". Deswegen sei es "schön, wenn viele Leute auf die Verkündigung des Papstes eingehen, das Bußsakrament wieder häufiger empfangen und sich bewusst machen, wie notwendig wir Christus brauchen, um vom Bösen befreit zu werden".
Weiter würdigte Müller den Ruf von Papst Franziskus nach einer Dezentralisierung der Kirche. Dieser sei heilsam und gelte auf allen Ebenen. "Auch Bischofskonferenzen können unter einem zu starken Zentralismus und Bürokratismus leiden." Müller bescheinigte ihnen zugleich "eine gewisse Lehrautorität". Diese könnten in ihrem Zuständigkeitsbereich "zu neuen theologischen Positionen Klärungen bieten". Dazu sollten vor allem ihre Glaubenskommissionen beitragen, die eng mit der Glaubenskongregation in Rom zusammenarbeiteten. "Viele Probleme könnten so vor Ort gelöst werden, hier gibt es in der Tat Nachholbedarf", so der Kardinal.
Stärker auf gelingende Ehen fokussieren
Mit Blick auf die bevorstehende Bischofssynode zur Familienseelsorge relativierte Müller die Bedeutung der vom Vatikan weltweit initiierten Katholikenbefragung. Die Ergebnisse zeigten zwar, "wo die Menschen stehen" und forderten die Bischöfe heraus, nach den Gründen dafür zu fragen. Wo die erhobenen Auffassungen nicht mit dem geoffenbarten Glauben übereinstimmten, könnten sie aber nicht "Ausdruck des Glaubenssinnes des Gottesvolkes sein".
Die Pastoral gründe "nicht auf Populismus oder Umfragewerten", erklärte der Präfekt der Glaubenskongregation. Ihre Kunst bestehe darin, "den Gläubigen zu helfen, die Wahrheit anzunehmen und zu leben". Das erfordere Einfühlungsvermögen und Mut. So sei Johannes der Täufer mutig gewesen, "als er zu Herodes sagte, dass es ihm nicht erlaubt sei, die Frau seines Bruders zur Frau zu nehmen". Müller empfahl, sich nicht auf das Scheitern der Ehe, sondern stärker auf ihr Gelingen zu fokussieren. Dies sei die primäre Aufgabe der Kirche.
Hofmann für Einzelfall-Lösungen bei Geschiedenen
Zum Thema Familienpastoral äußerte sich am Samstag auch der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann. In der Debatte um die Zulassung wiederverheirateter geschiedener Katholiken zur Kommunion plädiert er für individuelle Lösungen. "Wenn wir lernen, auf Einzelfälle zu schauen, dann können wir im Einzelfall auch zu anderen Ergebnissen kommen", sagte Hofmann dem "Main-Echo" in Aschaffenburg. Die Gläubigen hätten zu wenig Kontakt mit den Priestern. Hier brauche es "mehr Nähe und Offenheit", so dass die Einzelnen ihre Probleme darlegen könnten.
Katholiken, die nach einer Scheidung standesamtlich erneut geheiratet haben, sind nach offizieller Lehre von der Beichte und dem Empfang der Kommunion ausgeschlossen. Nicht alles sei durch normierte Vorgaben zu erfassen, so der Bischof weiter. In der Aufarbeitung des Einzelfalls kämen "unter Umständen auch weitere Möglichkeiten infrage". Als inakzeptabel bezeichnete Hofmann die offene Zurückweisung wiederverheirateter Geschiedener in der Messe. "Man darf keinen an der Kommunionbank brüskieren." Die Kommunion einfach zu verweigern, "geht nicht".
Bischof: Kein neues Bistum für Tebartz-van Elst
Im Fall des zurückgetretenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst glaubt Hofmann nicht, dass dieser ein neues Bistum erhält. Das werde nicht gehen, "weil das Vertrauensverhältnis gestört ist", sagte er. Zugleich äußerte Hofmann die Hoffnung auf eine neue Aufgabe für Tebartz-van Elst. Vielleicht könne er wieder wissenschaftlich arbeiten, "beispielsweise an einer Universität oder in einem Amt der römischen Kurie".
Nach Hofmanns Einschätzung hat Papst Franziskus eine "weise Entscheidung" getroffen. In dem Interview erteilte er Verschwörungstheorien im Zuge der Limburger Affäre eine Absage. Er sehe nicht, "dass die Kirche da verfolgt wird". Er könne verstehen, dass die Kirche verstärkt am Pranger stehe. "Wenn wir die Moral hochhalten, werden wir auch als erste daran gemessen. Und wenn die Dinge bei uns nicht in Ordnung sind, müssen wir uns auch gefallen lassen, dass wir kritisiert werden." (luk/KNA)