Papst: Macht es euch nicht zu bequem!
Papst Franziskus hat den Gläubigen ihre eigene Berufung zur Heiligkeit in Erinnerung gerufen. "Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jeder an dem Platz, an dem er sich befindet", sagte der Pontifex laut "Vatican News" beim Mittagsgebet am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom. Damit nahm der Papst auch Bezug auf die Botschaft seines jüngsten Schreibens "Gaudete et exsultate" zum Thema Heiligkeit. Aufhänger seiner Katechese war das Tagesevangelium über den "wahren Weinstock" (Joh 15,1-8).
"Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht", heißt es in der Passage aus dem Johannesevangelium, in der Jesus beim letzten Abendmahl zu seinen Jüngern spricht. Der Weinstock, auf den Jesus eingehe, sei eine Pflanze, die nur dann Frucht hervorbringe, wenn sie sich mit den Reben vereine, sagte Papst Franziskus. Diese Beziehung sei für christliches Leben maßgeblich, denn nur in Verbindung mit Gott, der die Liebe sei, könne es ein fruchtbares Leben geben. Das wiederum führe zu den Früchten der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt, so der Papst.
Eine solche Verbindung mit Gott hätte auch das Leben der Heiligen bestimmt, sagte Franziskus weiter. Sie hätten "das christliche Leben voll gelebt", indem sie dem Zeugnis der Liebe gefolgt seien. Es sei jedoch nicht nötig, "Bischof, Priester, Ordensmann oder Ordensfrau zu sein", um ein Heiliger zu sein. Egal was man tue, ob bei der Arbeit, in der Familie oder in einer Gemeinschaft: Jeder könne heilig werden, wenn er dies als Begegnung mit dem Herrn betrachte und danach vorgehe.
Komfortzonen verlassen
Christen müssten jedoch mehr aus sich selbst herausgehen, ergänzte der Papst. Das bedeute, die geschützten Räume und den Komfort aufzugeben und stattdessen das christliche Zeugnis in die Welt hinauszutragen. Wer glaube, der habe dafür Mut, weil er wisse, dass der Heilige Geist ihn immer begleite. Angst brauche man nicht zu haben: Bei der Hingabe für den Nächsten, bekomme man viel mehr zurück als man zu verlieren meine, so Franziskus.
Im Anschluss an das Mittagsgebet begrüßte der Papst die überraschende Annäherung zwischen Nord- und Südkorea in der vergangenen Woche. Er begleite mit seinem Gebet "das positive Ergebnis" des interkoreanischen Gipfels und "das mutige Engagement der politischen Leiter der beiden Seiten". Seine Hoffnung sei, dass "die Zusammenarbeit weiterhin gute Früchte für das geliebte koreanische Volk und für die ganze Welt bringen möge". Zugleich brachte der Papst seine Trauer über das jüngste Massaker an Christen in Nigeria zum Ausdruck. Unter den 19 Todesopfern befanden sich auch zwei Priester. "Wir vertrauen diese Brüder und Schwestern dem barmherzigen Gott an; möge er der so sehr geprüften Gemeinschaft helfen, Eintracht und Frieden wiederzufinden", sagte Franziskus. (tmg)