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So sehen die Medien das zweijährige Pontifikat von Papst Franziskus

Papst mit Problemen

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Bonn - Super-Star oder Papperlapapst", "Der populäre Provokateur" oder "Überraschende zwei Jahre" – Zeitungen und andere Medien kommentieren in ihren Schlagzeilen zum Jahrestag der Wahl das bisherige Pontifikat von Franziskus. Den Analysen ist eines gemeinsam: Die Anfangs-Euphorie über das ungewöhnliche Pontifikat verpufft – und nun wächst auch die Kritik.

Dass sich der frühere Erzbischof von Buenos Aires von keiner Seite vereinnahmen lasse, betont die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): "Niemand kann sicher sein, dass Franziskus nicht auch ihm den Spiegel dessen vorhält, was er für die unaufgebbare Botschaft des Evangeliums hält. Das muss provozieren, das muss polarisieren", so das Blatt. Mit seiner Art habe Franziskus große Teile der vatikanischen Kurie gegen sich aufgebracht. Das gläubige Volk halte jedoch noch zu ihm. Kurz vor Weihnachten hatte der Papst vor Kardinälen und Bischöfe im Vatikan "15 Krankheiten der Kurie" aufgezählt. Dazu gehörten "geistlicher Alzheimer" und Schwatz.

Positiver ist die Bilanz aus der katholischen "Verlagsgruppe Bistumspresse". "Die Kirche brauchte vor zwei Jahren und braucht auch heute noch einen solchen Franziskus", lautet hier das Fazit. Der Argentinier rücke die Prioritäten zurecht: "Erst kommt der Glaube an und die Begegnung mit Jesus Christus. Und dann kommt die Kirche. (...) Doch auch das Gegenteil will er nicht: einen Kult aus Selbstzweck, eine Frömmigkeit ohne Folgen im täglichen Leben."

Hang zur freien Rede als Schwäche?

Viele Kommentatoren gehen auf Franziskus‘ Kommunikationsstil ein. Zuletzt war der Pontifex mit einigen Aussagen in die Kritik geraten. Dazu gehörte etwa der Satz, Katholiken müssten sich nicht vermehren "wie die Karnickel" oder die Aussage, unter Umständen könnte das Schlagen von Kindern zur Erziehung beitragen. Der Südwestrundfunk (SWR) analysiert, "sein Hang zur freien, unverblümten Rede beschert ihm nicht nur Sympathien. Er ist auch seine größte Schwäche. Regelmäßig stößt Franziskus die Gläubigen mit seinen Äußerungen vor den Kopf und bringt enge Vertraute in Erklärungsnöte". Und die Neue Züricher Zeitung (NZZ) ergänzt, der Pontifex scheine bei seinen Worten "jedenfalls nicht immer zuerst die Goldwaage und den päpstlichen Haustheologen im Sinn zu haben. Solche Aussagen, von den Medien dankbar aufgenommen, verdecken freilich manchmal auch den Blick auf wichtige Projekte, die Franziskus nun entscheidend vorantreiben muss".

Eine dieser Projekte sei die vorgesehene Kurienreform, die die Zeitung als "längst überfällig" bezeichnet. Auch die Augsburger Allgemeine fordert, in seinem dritten Amtsjahr müsse der 78-jährige Pontifex den Worten nun Taten folgen lassen und "liefern". Sie sieht ein anderes Projekt ganz vorne: "Die Nagelprobe dürfte die zweite Runde der Familien-Synode sein. Wie weit wagt sich die katholische Kirche aus ihrer doktrinellen Bastion heraus und stellt sich angstfrei der heutigen Welt?". Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) beobachtet, während Konservative und Liberale sich miteinander auseinandersetzten, halte sich Franziskus sehr bedeckt: "Auf keiner Seite durchblickt man bislang, was der Papst selbst eigentlich will. Ist es Machtkalkül oder Führungsschwäche, dem Streit tatenlos zuzusehen?", fragt das Blatt.

Die "Bild" sieht zwar "beißenden Gegenwind" auf den Papst zukommen und bescheinigt ihm im vergangenen Jahr "gleich mehrere Tritte ins Fettnäpfen". Sie zählt aber auch die positiven Ereignisse auf: Die erfolgreiche Vermittlung zwischen den USA und Kuba, die "größte Messe aller Zeiten" mit sieben Millionen Menschen in Manila auf den Philippinen, die Ernennung von immer mehr Kardinälen aus der Weltkirche, der Einsatz für die Obdachlosen rund um den Petersplatz.

Gerüchte über ein frühes Ende des Pontifikats

Wie ein roter Faden ziehen durch die Kommentare Gerüchte, das Pontifikat dauere möglicherweise nicht mehr allzu lange. Die FAS stellt fest: "So früh haben Nachfolgespekulationen noch nie begonnen". Dazu habe Franziskus jedoch selbst durch den Satz beigetragen, er werde schon "in zwei, drei Jahren in das Haus des Herrn" ziehen. "War das eine Todesahnung oder eine Rücktrittsankündigung?", fragt sich das Blatt. Der SWR meint, mit seinen Worten habe der Papst "nicht nur Gespräche um seine Nachfolge befeuert, sondern vor allem auch den Zeitdruck auf sich selbst erhöht. Das ist gut so".

Glückwünsche – und die zum Teil auf sehr persönliche Art - dominieren in den Sozialen Medien. Papst Franziskus ehre, wer Jesus folge, sich für die Armen einsetze und die Schöpfung bewahre, twittert etwa der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Das Münchener Kirchenradio gratuliert mit einem Bild von Maria Knotenlöserin – diese Art Madonnendarstellung lernte der heutige Papst in den 80er Jahren in der Augsburger Wallfahrtskirche Sankt Peter am Perlach kennen. Und das Bistum Essen schließlich stellt mit einem humorvollen Video die These auf, dass Papst Franziskus seit zwei Jahren "die Bühnen der Welt rockt".

Von Gabriele Höfling

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