Papst: Müssen auf hinderliche Traditionen verzichten
Papst Franziskus hat die Christen aufgefordert, auf jene "menschlichen Konventionen und Traditionen" zu verzichten, die einer glaubwürdigen und transparenten Verkündigung im Weg stehen. Es gehe dabei nicht um oberflächliche Reformen, "nur um mit der Zeit zu gehen" und jung zu erscheinen, sagte das Kirchenoberhaupt am Donnerstag im Petersdom. "Die grundlegende Reform besteht darin, aus sich herauszugehen", mahnte Franziskus in einer Messe zur Eröffnung der Generalversammlung von Caritas Internationalis, dem Dachverband der nationalen Caritas-Verbände.
In seiner Predigt erinnerte der Papst an die Auseinandersetzungen der ersten Christen über die richtige Art der Verkündigung. Um Menschen anderer Kulturen überzeugen zu können, hätten sie auf wichtige Traditionen ihrer eigenen jüdischen Herkunft verzichtet. Die Entscheidung dazu hätten die Christen aber nur gefunden, weil sie "demütig aufeinander gehört" haben, so der Papst.
Wer den Weg der Nächstenliebe gehen wolle, für den bedeuteten Demut und Zuhören, die Ohren vor allem für die Kleinen und Schwachen zu öffnen. Gleichzeitig gelte es, sich den konkreten Lebensumständen zu stellen. Zweimal warnte der Papst vor reinem Effizienzdenken und Kontrollwahn.
Teilnehmerrekord bei Generalversammlung
Das dritte wichtige Merkmal der jungen Kirche habe in ihrem Gemeinschaftssinn bestanden. Eine solche Einheit überwinde die Differenzen, ohne sie glattzubügeln, und schaffe so "Gemeinschaft statt Gleichförmigkeit". Dies gehe aber nur, wenn alle ihre Stärken mit einbringen können.
Die 21. Generalversammlung von Caritas Internationalis, die noch bis Dienstag dauert, verzeichnet mit 450 Delegierten einen Teilnehmerrekord. Sie steht unter dem Motto "Eine Menschheitsfamilie - ein gemeinsames Zuhause". Neben organisatorischen Fragen und Vorstandswahlen geht es bei der Versammlung auch um Kinderschutz, Effektivitätssteigerung, nachhaltige Entwicklung und Migration.
Im 1951 gegründeten Dachverband "Caritas Internationalis" sind heute 164 eigenständige nationale Caritas-Verbände und katholische Wohlfahrtsorganisationen zusammengeschlossen. Aufgabe von Caritas Internationalis ist vor allem die Koordinierung von Hilfsaktionen und Entwicklungsprogrammen auf weltkirchlicher Ebene. Der Vatikan hat in dem Dachverband weitgehende Mitspracherechte und muss die gewählte Leitung bestätigen. (tmg/KNA)
In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Klimakatastrophen verdoppelt; weltweit sind so viele Menschen auf der Flucht wie nie. Das fordert humanitäre Hilfsorganisationen wie die weltweiten Caritasverbände heraus. Ihre Arbeit noch sichtbarer zu machen und stärker mit staatlichen Hilfsprogrammen zu vernetzen, das wünscht sich Dr. Oliver Müller, Leiter von Caritas international, vom neuen Präsidenten bzw. Generalsekretär, die dieser Tage bei der im Vierjahresturnus stattfindenden Generalversammlung von Caritas Internationalis in Rom gewählt werden.