Papst: Tradition ist keine Ansammlung toter Dinge
Papst Franziskus hat sich gegen eine Deutung der apostolischen Tradition als bloße Konservierung gewandt. Die apostolische Tradition sei "nicht die Weitergabe von Dingen oder Worten, keine Ansammlung toter Dinge", sagte der Papst am Freitag im Vatikan bei einem Gottesdienst zum Fest der Apostel Petrus und Paulus. "Die Tradition ist der lebendige Fluss, der uns mit den Ursprüngen verbindet, der lebendige Fluss, in dem die Ursprünge stets gegenwärtig sind", zitierte er den emeritierten Papst Benedikt XVI. (2005-2013).
Franziskus wies zudem darauf hin, dass sich die katholische Kirche immer wieder mit Versuchungen auseinandersetzen müsse. "Wie Petrus werden wir als Kirche immer versucht sein, von diesen 'Einflüsterungen' des Bösen, die zum Stolperstein (...) werden", sagte das Kirchenoberhaupt in seiner Predigt. Jesus wolle seine Kirche "von hohlem triumphalem Gehabe befreien: von einem Mangel an Liebe, an Dienstbereitschaft, an Mitgefühl, von einem Mangel an Volksnähe", so der Papst. Es gelte, persönliche und gemeinschaftliche Tarnungen zu entdecken, "die uns daran hindern, mit dem konkreten Leben der anderen in Berührung zu kommen".
Die Warnung des Papstes an die neuen Kardinäle
Die katholische Kirche gedenkt Petrus und Paulus am 29. Juni. Sie starben der Überlieferung nach als Märtyrer in Rom und sind auch Schutzheilige der Stadt, weshalb der Tag in Rom und im Vatikan ein Feiertag ist. Wie üblich nahm auch eine orthodoxe Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, angeführt von Erzbischof Job Getcha von Telmessos, an den Feierlichkeiten teil. Die Delegation wurde von Vatikanseite durch den Schweizer Kardinal Kurt Koch begleitet, Chef des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen.
Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Franziskus gemäß der Tradition die sogenannten Pallien gesegnet, Ehrenzeichen für im vergangenen Jahr ernannte Metropoliten. Es handelt sich um schmale, mit Kreuzen bestickte Streifen aus weißer Lammwolle, die über dem Messgewand getragen werden. Diese Stolen sollen die besondere Verbundenheit der Erzbischöfe mit Rom ausdrücken. Unter den 30 Anwärtern war dieses Jahr keiner aus dem deutschsprachigen Raum.
Am Gottesdienst hatten auch die 14 neuen Kardinäle teilgenommen, die der Papst am Vortag erhoben hatte. Auch sie hatte Franziskus gewarnt: vor "Eifersüchteleien", "Neid" und "Mauscheleien". "Was nützt es, die ganze Welt zu gewinnen, wenn man in den Fängen erstickender Intrigen lebt, die das Herz austrocknen und die Mission unfruchtbar machen?", fragte der Papst, der die Szenerie auf die heutige Kirchenleitung bezog: "In dieser Situation könnte man bereits die Palastintrigen, auch innerhalb der kirchlichen Kurien, angedeutet sehen." (bod/KNA)
Korrektur, 30. 6. 2018, 10.10 Uhr: Ursprünglich hieß es, die Pallien würden neu ernannten Leitern von Erzbistümern verliehen. Richtig ist: Nur den Erzbischöfen, die einer Metropolie vorstehen.